

Dr. Henning Scherf hielt Vortrag zum Thema: „Gemeinsam statt einsam"
Die „Große Oase" im Kinderhospiz Löwenherz war mit Besuchern dicht gedrängt: Etwa 100 geladene Gäste kamen zum Neujahrsempfang, um sich einen persönlichen Eindruck über die Arbeit mit den unheilbar erkrankten Kindern zu machen und Neues über Löwenherz zu erfahren. Und um den Vortrag des ehemaligen Bremer Bürgermeisters Dr. Henning Scherf zum Thema „Gemeinsam statt einsam" zu hören, in dem er über seine Begegnungen mit Demenzkranken berichtete. Betreuungen, die viel Zeit erforderten, um ihre unverwechselbaren Eigenarten und ihre Bedürfnisse zu erspüren. „Die Menschen blühen dann richtig wieder auf."
Man habe bewusst einen Vortrag zu einem gesellschaftlich wichtigen Thema gewählt, der nicht direkt etwas mit der Arbeit im Kinderhospiz zu tun habe, erläuterte Gaby Letzing, die Leiterin des Kinderhospizes. „Aber es gibt bei diesem Thema auch Gemeinsamkeiten mit uns. Denn wir fragen uns zum Beispiel, was Eltern stärkt, wenn sie Tag und Nacht ihr krankes Kind versorgen müssen und dabei immer den Gedanken im Kopf haben, wann sie Abschied nehmen müssen. Wie können sie lernen mit Krisen umzugehen?" Es sei zu einem großen Teil die Gemeinschaft, die Unterstützung des Kinderhospiz-Teams, das die Eltern als stärkend empfunden hätten. „Es geht nicht darum, ihnen die Probleme abzunehmen – es geht darum, ihnen einen Weg aufzuzeigen, wie sie damit umgehen können."


Die Belegung im Kinderhospiz erreichte im vergangenen Jahr 95 Prozent, insgesamt waren 139 verschiedene erkrankte Kinder zu Gast. „Zusätzlich standen mehr als 40 Familien auf der Warteliste, die gerne zu uns gekommen wären", erläuterte Gaby Letzing. „Das macht deutlich, wie groß der Bedarf ist. Im geplanten Jugendhospiz können unheilbar erkrankte Jugendliche und junge Erwachsene aufgenommen werden – um die Eltern zu entlasten und um die eigene Situation zu verarbeiten. Mit anderen Jugendlichen zusammen kann Lebensfreude geteilt werden. Das macht stark – auch wenn das Leben begrenzt ist." Im vorigen Jahr waren rund 30 Prozent der aufgenommenen Kinder 13 Jahre und älter. Viele von ihnen können dann im neuen Jugendhospiz für einige Zeit zu Gast sein.
Die Bauarbeiten für das Jugendhospiz beginnen im April mit dem ersten Spatenstich. Es soll bis zu acht Zimmer für die erkrankten Gäste und sechs Begleiterzimmer erhalten. Das Bauvolumen beträgt 3,9 Millionen €. Die Fertigstellung ist für April 2013 geplant.
Auch die ambulante Arbeit von Löwenherz entwickelte sich im vergangenen Jahr sehr positiv. Die Ehrenamtlichen des Ambulanten Kinderhospizdienstes Löwenherz Bremen und Umzu begleiten 23 unheilbar erkrankte Kinder und ihre Familien, weitere haben angefragt. Insgesamt 34 Ehrenamtliche engagieren sich in der Hansestadt und im Umland für diese Aufgabe, zwölf Kinderhospizbegleiter werden zur Zeit in einem siebenmonatigen Schulungskursus auf ihre Einsätze vorbereitet. In Niedersachsen kooperiert Löwenherz mit 30 Hospizvereinen. Dort begleiten in der Kinderhospizarbeit geschulte Ehrenamtliche 39 unheilbar erkrankte Kinder und ihre Familien. In diesem Jahr fragten drei weitere Familien nach Unterstützung an.
