Der langersehnte erste Aufenthalt im Kinderhospiz

Als ich das erste Mal im Netz auf die Seite von Löwenherz gestoßen bin, suchte ich nach Möglichkeiten, wie man mit dem Thema Tod und Kind umgehen könnte. Es wurde ein Seminar: "Sterbebegleitung bei Kindern" angeboten. Ich habe diese Seminar besucht - aus verschiedenen Gründen - und es hat mir sehr geholfen.

Wir, das sind Mama, Papa, drei leibliche Kinder (20/18/13) und unser Dominik (5). Dominik ist unser Pflegekind. Er ist nach erlittenem Schütteltrauma mehrfach schwerstbehindert und lebt seit fünf Jahren bei uns. Dominik kann nicht sprechen, sitzen, laufen, sich nicht drehen und gilt als blind. Er hat ein nicht einstellbares Anfallsleiden, einen Hydrocephalus mit Shunt und ist geistig schwerbehindert. Und dennoch ist er ein Sonnenschein, er sprüht vor Lebensfreude.

Er war etwa ein halbes Jahr bei uns - wir waren im Urlaub - da bekam er plötzlich Hirndruck. Wir sind mit fliegenden Fahnen nach Hause gefahren. Kurzer Aufenthalt im Heimatkrankenhaus und wenige Stunden später mit Blaulicht nach Bremen in die Kinderklinik. Zu diesem Zeitpunkt war er schon bewusstlos. Mehrere Tage hat er mit dem Tod gerungen... aber er hat es geschafft. Dieses Ereignis hat traumatische Spuren bei uns allen hinterlassen. Wir waren völlig unvorbereitet mit dem Tod konfrontiert. Da war das Seminar eine große Hilfe für mich. Und auch die anderen Familienmitglieder profitierten davon.

Ich freute mich auf den Bau des Kinderhospizes - so nah an unserem Wohnort Rothenburg an der Wümme (Niedersachsen). Und dann war doch alles anders, als ich Dominik für den Herbst 2003 anmeldete. Ich hatte das Gefühl: das ist der Anfang vom Ende!!! Durch Medikamentennebenwirkung hatte er alle Fähigkeiten, die er so mühsam erlernt hatte, verloren. Ich war der völligen Erschöpfung nahe, konnte nicht anders fühlen. Gleichzeitig war der geplante Aufenthalt der "große Strohhalm".

Am 14.10 2003 ging es Richtung Syke, nur Dominik und ich, der Rest der Familie musste zu Hause bleiben. Dies fiel besonders unserem eigenen jüngsten Sohn Jannik (damals zwölf Jahre) sehr schwer. Doch ich sah mich nicht in der Lage, mich auch noch um ihn zu kümmern. Die Kraft reichte nur noch für Dominik und mich. Ich wollte ihn langsam an die neue Umgebung und die fremden Menschen gewöhnen. Denn nach vier Tagen wollten wir eine Woche ohne Dominik zu Freunden nach Süddeutschland fahren.

Es kam alles anders. Mein Mann bekam den Urlaub nicht und ich konnte mich nicht oder nur sehr schwer von unserem Spatz trennen. Ich war hin- und hergerissen, obwohl wir so liebevoll aufgenommen worden sind. Alle waren sehr bemüht und auch Dominik schien es im Hospiz zugefallen. Wir haben uns dann kurzer Hand umentschieden: Jannik durfte mit ins Hospiz und wir verbrachten dort den größten Teil der Herbstferien gemeinsam mit Dominik. Für die Mitarbeiter war das kein Problem, sie haben sich auf die neue Situation eingestellt.

Mit den Tagen wurde ich ruhiger, konnte den Kleinen bei den Schwestern
lassen und mir Zeit für Jannik nehmen. Wir haben Ausflüge gemacht, waren bummeln und wann immer wir ins Hospiz zurück kamen, war für alles gesorgt. Im nachhinein habe ich mich erstaunlicherweise doch ein wenig erholt und was mir noch viel wichtiger ist: Vertrauen gefasst.

Zum Jahreswechsel waren wir dann als Familie im Hospiz. Es war total klasse, ein wenig wie nach Hause kommen. Wir haben andere Familien kennen gelernt und hatten eine gute Zeit miteinander.

Im Sommer 2004 ist nun der erste lange Aufenthalt für Dominik allein geplant.... Wie es wird, ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass er es gut haben wird.

Liebe Grüße und ein großes Dankeschön an die vielen, fleißigen und liebevollen Menschen im Hospiz

Kerstin Schulz mit Family

Mail:  eckhardt.Schulz(at)gmx.de