Kraft tanken in Syke

Hallo, wir sind die Familie Schmidt aus Bremen. Unser Team besteht aus sechs Personen: Meiner Schwiegermutter (66), meinem Mann Holger (43), mir, Barbara (35), meinen Töchtern Vanessa (14) und Jessica (12) sowie unserem Sorgenkind Melina (4). Melina ist an der seltenen Krankheit Cytomegalie erkrankt. Sie ist schwerstmehrfach behindert und hat keine lange Lebenserwartung.

Unser erster Aufenthalt bei Löwenherz war an einem Wochenende im Frühling. Es war schön, dass wir die einzige Familie waren. So konnten wir das ganze Haus richtig erkunden und genießen. Zu Ostern waren wir dann fünf Tage im Löwenherz. Dieser Aufenthalt war anders als das Wochenende. Wir haben nette Eltern kennen gelernt, der Pastor hat einen Gottesdienst im Wald durchgeführt. Und wir hatten unheimlich nette Gespräche mit betroffenen Eltern. Unsere großen Kinder wurden betreut von den Sozialpädagogen aus dem Haus, während Melina ganz toll versorgt wurde. Mein Mann Holger und ich haben die Ruhe genossen. Wir mussten nachts nicht aufstehen. Und ich musste nicht um sieben Uhr morgens Melina mit Frühstück versorgen, kein Abendessen machen. Das war schon schön.

Mir haben die Gespräche mit dem Pflegepersonal sehr geholfen, ganz normal über den Tod zu sprechen, denn davor habe ich Angst. Ich - oder wir - wissen, dass wir Melina nur für eine bestimmte Zeit haben. Trotzdem beschäftigt mich das, denn wir hatten schon sehr oft Situationen, in denen Melina sehr weit weg war. Aber jetzt nach dem Aufenthalt im Kinderhospiz Löwenherz ist meine Angst nicht mehr so groß. Denn jetzt weiß ich, dass Melina sich den Weg selber sucht, wo sie sterben möchte.

Im Sommer 2004 haben wir als Familie beschlossen, ohne Melina in den Urlaub zu fahren. Melina war zehn Tage alleine ohne uns bei Löwenherz. Das war für mich eine ganz neue Situation, so ganz ohne meinen Sonnenschein. Denn wenn etwas passiert und Melina sterben würde, wäre ich nicht da. Aber dann fiel mir der Satz ein: Die Kinder suchen ihren Weg selbst.

Meine Schwiegermutter ist sehr auf Melina fixiert. Deshalb verbrachte sie ein paar Tage im Löwenherz. Aber wir haben unseren Sonnenschein sehr vermisst. Ich habe jeden Tag bei Löwenherz angerufen, um zu fragen, wie es ihr geht. Doch ich konnte nach diesem Urlaub richtig durchatmen und ich spürte in mir wieder Kraft. Andere Leute, die nicht betroffen sind, wissen gar nicht, was Eltern von schwerst kranken Kindern leisten. Ob das psychisch ist oder körperlich.

Trotzdem gibt es Menschen, die es uns Eltern schwer machen. Zum Beispiel die Krankenkassen, die den Hospizanteil nicht übernehmen wollen. Ihre Aussage ist, dass wir "Eltern zu Löwenherz fahren, um sich zu erholen". Und dass das es keine Krisensituation war - wie bei uns. Die wissen gar nichts. Denn wir haben jeden Tag Krisensituationen. Wir hoffen, dass die Herrschaften ihre Meinung ändern.

Wir sind sehr froh, liebes Löwenherz-Team, dass es euch gibt. Gebt auch anderen die Kraft, die ihr uns immer gebt, wenn wir bei euch sind.

Liebe, Liebe Grüße, die Schmidts  barbara333schmidt(at)web.de