"Löwenherz"-Traum erfüllt

Kinderhospiz mit Freudenfest eröffnet
Von Anke Seidel

Landkreis. Für "Löwenherzen" ging gestern ein lang gehegter Traum in Erfüllung, wurde ein wunderschönes Märchen wahr. Die Schauspielerin Janette Rauch ("Traumschiff") erzählte es allen, die zur Eröffnung des "Kinderhospiz Löwenherz" nach Syke gekommen waren. Sie hörten die Geschichte von den 27 Brüdern und Schwestern (Gründungsmitgliedern des Vereins) und ihrem Aufbruch in das Land der Menschlichkeit; von mutigen und starken "Löwenherzen", die mit Hilfe eines Zauberers und einer Fee selbst die zunächst grimmigen Herrscher des Landes, Grafen in Hannover, von ihrer Idee überzeugen konnte. Damit nicht genug: "Große und kleine Menschen sangen und tanzten, liefen sich die Füße wund und spendeten freudig das Geld", erinnerte die charmante Märchenerzählerin an die beispiellose Spendenbereitschaft für das "Kinderhospiz Löwenherz" - für ein Haus; in dem schwerkranke und sterbende Kinder mit ihren Eltern und ihren Geschwistern Unterstützung, Zuwendung und professionelle Betreuung finden.
Vom "Licht der Liebe, Lebenslicht…" sang der Kinder- und Jugendchor Syke. Und immer wieder leuchtete im gestrigen Gratulationsreigen der Wunsch, dass im Kinderhospiz das strahlende Licht der Hoffnung und der Lebensfreude die bedrückende Dunkelheit der Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit vertreibt. Ein Schicksalsschlag verband Janette Rauch mit Niedersachsens Sozialministerin Ursula von der Leyen. Die Schirmherrin musste den Tod von zwei kleinen Geschwistern verkraften; die Sozialministerin hatte als 13-Jährige ihre elfjährige Schwester verloren. Ein Netzwerk für Eltern und Geschwister erachtete sie als sehr wichtig, und dafür sei das Kinderhospiz ein wichtiger Baustein. Den "Löwenherzen" zollte Ursula von der Leyen "tiefen Respekt vor der unendlichen Kraft und Einsatzfreude." Sie selbst werde mit aller Kraft dieses Hospiz begleiten.
Hape Kerkeling hieß gestern Heidi Schröder. Zehn Minuten vor Beginn der Eröffnungsfeier mit 800 Gästen musste sie notgedrungen seine Rolle übernehmen. Grund: Kerkeling hatte irgendwie den Termin verwechselt…
Mit hörbarem Herzklopfen und mit Bravour gleichermaßen meisterte Heidi Schröder ihre Aufgabe, zu der auch ein Interview mit der Initiatorin von "Löwenherz", Gaby Letzing, gehörte. Sie war völlig überwältigt, dankte "ganz, ganz vielen Menschen!" und verwies auf ein gehaltvolles Buch mit allen Namen von Spendern, Sponsoren und Mitgliedern.
Günter Schlüterbusch, SPD-Landtagsabgeordneter, hatte sich gemeinsam mit seinem damaligen Kollegen Heinfried Schumacher in Hannover für das Projekt stark gemacht. Als "ungewöhnlich einmalig - einmalig ungewöhnlich" bezeichnete er es gestern. Glückwünsche kamen von der Leiterin des Deutschen Kinderhospiz-Vereins, Marlies Hartkopf. Sie hatte eines mit Petra Kettler gemeinsam: Beide sind Mütter von unheilbar kranken Kindern. "Danke dafür, dass Sie das mit uns tragen", wandte sich Petra Kettler mit ihrem Mann Gero an die "Löwenherzen".
Gemeinsam sprachen Superintendent Jürgen Flohr, Krankenhaus-Seelsorgerin Dorothea Bobzin und Pastor Wolfgang Tereick Fürbitten und segneten das Haus.
Songs des Gospelchors Syke erklangen, bevor die Gruppe Alegria Geral die Besucher mit mitreißender Musik zum Hospizgebäude zog. Dort übernahm eine strahlende Gaby Letzing den symbolischen Schlüssel, bevor Sykes Bürgermeister Dr. Harald Behrens einen Apfelbaum überreichte und Martin Luther zitierte: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen".