
Weserkurier
An die Uferböschung abgetrieben
Bremer Entenrennen: Von 4 000 gelben Plastiktieren erreichen wenige das Ziel
Von Jörg Esser
BREMEN - High Noon, zwölf Uhr mittags. Rund 4 000 kleine gelbe Plastikenten liegen Feder an Feder in einem Container. Der steht auf einem Pontonschiff, das auf der Weser vorm Café Sand herumschippert. Die Enten warten. Darauf, dass sie endlich ins Wasser geschüttet werden - zum dritten Bremer Entenrennen. 1 300 Meter liegen vor ihnen. Ziel ist das Theaterschiff an der Tiefer, wo es sich Promis wie Roberto Blanco und Heinz Eckner gemütlich gemacht haben.
Zurück zum Start: Der verzögert sich. Das Pontonschiff tuckert flussabwärts. Die Minuten vergehen. Die vielen hundert Schaulustigen am Weser wandern stadteinwärts. Dann endlich, es ist 12.16 Uhr, werden die Enten zu Wasser gelassen.
Los geht's. Das gelbe Feld nimmt Fahrt auf. Doch schon bald trennt sich die Spreu vom Weizen. Die ersten der jeweils codierten und mit Computerchip ausgestatteten Rennenten werden abgetrieben. Und landen irgendwo an der Uferböschung. Chancenlos.
Derweil steigt an der Tiefer die Spannung. Das Schlachte-Ufer füllt sich, ebenso die Wilhelm-Kaisen-Brücke. Die Zeit vergeht. Immer mehr Zuschauer zücken Zettelchen - mit den Startnummern. ihrer Rennenten. Der Bremen-Vier-Moderator auf dem Theaterschiff gibt sein Bestes. Der gute alte Roberto spielt den Pausenclown. Die Schaulustigen werden ungeduldig. Live dabei zu sein, ist wunderbar. Trotzdem vermissen viele Leute den Fernseher. Besser gesagt: die Fernbedienung mit dem Stummschalt-Knopf.
Was soll's. Die ersten Enten sind zu sehen. Knapp 150 Meter vor dem Zieltrichter unter der Kaisen-Brücke. Zwei Enten sind aussichtsreich auf Kurs. Gegen 13.05 Uhr landet die erste Ente im Ziel, mit 100 Metern Vorsprung. Zehn Stück folgen in den nächsten zehn Minuten. Weitere in den nächsten Stunden. Die allermeisten erreichen das Ziel nie.
Der Notar macht sich an die Arbeit. Schließlich soll alles korrekt zugehen. Auf den Besitzer der Siegerente wartet immerhin eine sechstägige Kreuzfahrt für zwei Personen an Bord der MS "Astor" auf der Ostsee. Roberto Blanco greift derweil zum Mikrofon und beginnt die dicken Promi-Enten zu versteigern. Der Erlös kommt dem Kinderhospiz Löwenherz in Syke zugute. Die Einrichtung ist auch mit einem Euro pro Ente am Verkaufserlös beteiligt.
