Auf der Suche nach sich selbst

Quelle: Kirchenbote, 22.02.2009 - Wochenzeitung für das Bistum Osnabrück

Aktionswoche in den Berufbildenden Schulen in Melle/ Leitfrage: Was ist wichtig im Leben

Von Michael Schiffbänker

Melle. Die Berufsbildenden Schulen (BBS) Melle haben zum 12. Mal die Aktionswoche „Penne und Dom“ organisiert. Sie hat den Schülern gezeigt, wie die Kirche ihnen bei Problemen helfen kann und sie hat die Jugendlichen mit einigen Gegenentwürfen zu ihren eigenen Leben konfrontiert.

Zwei Blättchen Klopapier liegen auf Jannes Oberschenkeln. Für jedes Blatt soll sie einen Tick von sich verraten, oder etwas, das sie auszeichnet. 15 Schüler sitzen im Kreis. Janne ist die Erste, die etwas sagt. Der Tick ist kein Problem: „Naja, ich gehe halt gerne shoppen.“ Aber Stärken? Sie überlegt. „Also, man könnte sagen, dass ich kontaktfreudig bin.“ Der Anfang ist gemacht.

Nach und nach sprechen die anderen von ihren Ticks und Stärken. Erst zögerlich, später dann immer schneller und selbstbewusster. Es ist die erste Übung in dem Workshop „ Wie ticke ich eigentlich?“. Diesen leiten drei Lehramtsstudenten der Universität Bielefeld,. Er soll den Schülern durch verschiedene Reflektionsübungen helfen, sich selbst besser kennenzulernen. „Sie denken darüber nach, was ihnen wichtig ist im Leben“, sagt Kursleiterin Andrea Henseler.

Selbstwahrnehmung und Lebenshilfen – das sind wichtige Anliegen der Aktionswoche Penne und Dom unter dem Motto „ Haste was – biste was“ an den BBS Melle. „die Schüler sollen kritisch hinterfragen, wie viel Bedeutung Statussymbole für sie haben und dabei Gegenentwürfe zu ihren Leben entdecken“, sagt Michael Göcking, Religionslehrer an der BBS und Dekanatsreferent. Die Aktionswoche haben die schuleigene Fachkonferenz Religion, das katholische Jugendbüro Osnabrück-Süd, die Diakonie und der Jugenddienst des Kirchenkreises Melle organisiert. Es ist die zwölfte seit 1987. 

Auch dieses Mal gehen die Schüler „mit großer Neugier und Bereitschaft“ auf die verschiedenen Angebote ein. Sie reden über Gruppenzwang, hören von Betroffenen etwas zu Gefahren des Drogenkonsums, tauschen sich beispielsweise über ihre Erfahrungen mit Alkohol aus und sprechen mit einem Gefängnisseelsorger. Bei all den Workshops, Vortragen und Diskussionen ist es laut Göcking entscheidend, den Jugendlichen zu zeigen, „was wir als Kirche bieten und wie wir ihnen bei ihren Problemen helfen können“. Es gehe darum, den Schülern verschiedene Facetten zu eröffnen, „damit sie Religion nicht zu eng verstehen und merken, das es auch immer etwas mit Lebenshilfe zu tun hat.“.

Stille beim Bericht aus dem Kinderhospiz

Der Vortrag von Jens Hannekum ist gut besucht. 30 Schüler sitzen im Halbkreis vor ihm. Keiner sagt etwas, während Hannekum redet und lacht und seine Hände dabei durch die Luft sausen lässt. Er berichtet von seiner Arbeit und die Schüler hören zu.
Hannekum ist gelernter Bäcker, arbeitet aber seit Jahren als pädagogischer Mitarbeiter im Kinderhospiz Löwenherz. Er spricht von kranken Kindern und ihren Träumen, von Tod und Lebensmut, von verzweifelten Eltern und gelassenen Patienten. Als er einen schwerkranken Jungen über dessen bevorstehenden Tod informieren wollte, habe ihn Kleine unterbrochen, erzählt Hannekum. Dann habe der Junge ihn von unten herauf angesehen und gesagt: „Ich weiß. Aber sagen Sie es nicht meinen Eltern.“ Oh, wie süß“, murmelt eine Schülerin. Eine andere fragt Hannekum später, ob sie im Löwenherz hospitieren dürfe und eine dritte findet den Vortag des Hospizmitarbeiters „supergeil“.