„Eine neue Welt mit jedem Kind“

Quelle: Kreiszeitung, 17.01.2009

Entwicklungspsychologin referierte / Jahresrückblick: „Löwenherz“ hatte 114 Kinder zu Gast

Landkreis (sdl)  Eine neugierig-angespannte Stille war zu spüren, als – fast - alle der rund 80 Gäste beim „Löwenherz“ –Neujahrsempfang die Augen schlossen, die Hände ihres Gegenübers berührten und versuchten, sich selbst und den anderen zu erspüren. Ein tonisch-emotioneller Dialog, zu dem die Referentin Waltraut Erika Doering eingeladen hatte. Denn dieser Dialog begleitet Menschen immer wieder auf ihrem Lebensweg – von Geburt an.

„Mit jedem Kind wird eine neue Welt geboren“, lautete das Thema, das die Kinder- und Jugendtherapeutin ihren Zuhörern auf ihre ganz persönliche Weise nahe brachte. Waltraut Doering arbeitet seit 30 Jahren mit Kindern und berichtete gestern im Kinderhospiz, wie viel sie von ihnen gelernt hatte. Der Kern: „Kinder sind wie Spiegel, die mir sehr genau widerspiegeln, wie es mir geht.“ Das gelte auch für die so genannten Problem-Kinder. Sie als spiegeln die Erwachsenen in ihrem Leben.

Die Botschaft der Entwicklungspsychologin: Wenn Kinder Signale von sich geben, die der Erwachsene nicht versteht (oder umgekehrt), dann gibt es Probleme. Wenn Eltern überfordert seien, dann lasse sich das nicht wegdrängeln. „Dann ist es wunderbar, wenn Hilfe von außen kommt.“

Hilfe, die Eltern mit unheilbar kranken Kindern im Kinderhospiz „ Löwenherz“ finden. Wenn sie hier wieder Kraft schöpfen könnten und wenn selbst Kinder, die nicht gehen könnten, innerlich selbstständig würden, „dann ist das ein Riesengeschenk“, sagte Waltraut Doering.

114 Jungen und Mädchen waren im vergangen Jahr im Kinderhospiz zu Gast gewesen, hatte Kinderhospiz-Leiterin Gaby Letzing gleich zu Beginn des Empfangs berichtet – und ein intensives, turbulentes Jahr geschildert. Denn die Belegung des Hauses war sage und schreibe 16,6 Prozent gestiegen.

„Wir hatten 6220 Übernachtungen. Davon träumt so mancher Tourismusverband“, freute sich Gaby Letzing. Und berichtete einfühlsam über den Jahreswechsel im Kinderhospiz, bei dem Heiteres und Nachdenkliches, Hoffnung und Abschied ganz dicht beieinander gelegen hatten.

Insgesamt 17 „Löwenherz“-Kinder waren im vergangenen Jahr gestorben.

Dass auch viele Familien zuhause auf Hilfe angewiesen sind, zeigte der Bericht von Fanny Lanfermann über den  Ambulanten Kinderhospizdienst „ Bremen und Umzu“. 17 engagierte Ehrenamtliche betreuen in diesem Bereich 20 Familien mit unheilbar kranken Kindern. Weitere Ehrenamtliche werden ausgebildet – auch Helfer aus 23 Hospizdiensten in Niedersachen, deren Mitglieder bisher ebenso 20 Familien betreuen.

Gaby Letzing nutzte den Neujahrsempfang, um Pastor Wolfgang Tereick, dem bisherigen Leiter der Diakonie Freistatt, ausdrücklich für sein Engagement bei „Löwenherz“ zu danken. Die Diakonie ist mir 25,9 Prozent an „Löwenherz“ beteiligt.

Vor dem Empfang hatte sich der „Löwenherz“-Stiftungsrat zu seiner ersten Sitzung getroffen. Er berät und kontrolliert das ehrenamtlich arbeitende Kuratorium der Stiftung, die im Februar 2008 gegründet worden war. Den Stiftungsrat leitet Kurator Dr. Gerhard Lippert. Mitglieder sind: Gesine Meißner (Vorsitzende des Landtagsausschusses Gesundheit, Soziales und Frauen) sowie Landrat Gerd Stötzel und Dr. Peter Rentrop-Schmid (Vorstandsmitglied des Bankhauses Hallbaum in Hannover).