„Die Chemie muss stimmen“

Sabine Haasis spielt mit Thore (l.), der an der unheilbaren Stoffwechsel-Krankheit Mukopolysaccharidose leidet, und seiner Schwester Freya in seinem Zimmer in Bremen. BILD: DPA Bild

Quelle: NWZ Online, 07.03.2009

HOSPIZ Ehrenamtliche unterstützen Familien mit todkranken Kindern

SEIT EINEM JAHR GIBT ES DEN AMBULANTEN HOSPIZDIENST. INSGESAMT 26 FRAUEN UND ZWEI MÄNNER ENGAGIEREN SICH.

VON STEPHANIE LETTGEN

Bremen - Für Sabine Haasis sind die Engelbrechts aus Bremen wie eine zweite Familie. „Das ist meine Hospizfamilie“, sagt die 49-Jährige und fasst die Hände des kleinen Thore, der auf einem Trampolin hüpft. Der Achtjährige leidet an der unheilbaren Stoffwechsel-Krankheit Mukopolysaccharidose. Er kann nicht sprechen, schlecht laufen und ist hyperaktiv.

Seit mehr als einem Jahr besucht Haasis den Jungen einmal pro Woche ehrenamtlich für den „Ambulanten Kinderhospizdienst Löwenherz Bremen und umzu“ daheim. 26 Frauen und zwei Männer geben jede Woche ein paar Stunden ihrer Freizeit, um todkranke Kinder und ihre Familien zu Hause zu besuchen. Seit Frühjahr 2007 gibt es dieses über Spenden finanzierte Angebot. Mit den erkrankten Kindern und ihren Geschwistern spielen, ein offenes Ohr für die Sorgen der Eltern haben – das sind die Aufgaben.

Ein halbes Jahr werden sie bei einer Schulung auf ihre Arbeit vorbereitet. Sie lernen mit dem Thema Tod umzugehen, erfahren viel über Krankheiten. Am Ende des Kurses entscheidet Koordinatorin Susanne Claus dann, welche Familie zu welchem Teilnehmer passen könnte. „Die Chemie muss stimmen“, sagt die 42 Jahre alte Sozialpädagogin. Haasis war früher Kindergärtnerin. „Als ich mit der Arbeit aufhörte, habe ich festgestellt, dass mir Kinder sehr fehlen“, sagt die 49-Jährige.

Die Idee einer ehrenamtlichen Hospizhelferin sah Thores Mutter, Katrin Engelbrecht, anfangs mit großer Skepsis: „Es war schwierig, eine Fremde in unsere Privatsphäre zu lassen“, sagt die 35 Jahre alte Bremerin. Doch das Eis zwischen Haasis und Thores Eltern schmolz schnell.

Es tut dem Ehepaar gut, mit der Besucherin über seine Probleme sprechen zu können. Auch seine kleine Tochter Freya freut sich jede Woche auf den etwa zweistündigen Besuch von Haasis, die sich immer neue Spiele für die Fünfjährige und ihren kranken Bruder ausdenkt. „Ich finde diese Aufgabe einfach wunderbar, auch wenn sie nicht immer leicht ist“, sagt Haasis.