Entlastung für verzweifelte Familien

Quelle: Osnabrücker Zeitung, 15.04.2009

Osnabrück - „Ihr Kind ist unheilbar krank.“ Diese Diagnose erschüttert die ganze Familie. In der Folgezeit ist das Familienleben manchmal über Jahre extrem belastet. Der Osnabrücker Hospizverein gründet jetzt einen ambulanten Kinderhospizdienst.

Im Gegensatz zum stationären Hospiz ist der Einsatz beim Kinderhospizdienst deutlich länger vorgesehen. Die ehrenamtliche Begleitung einer Familie ist von der Diagnose einer lebensverkürzenden Erkrankung bis zum Tod und die Zeit danach möglich – also auch über Jahre hinweg.

Das setzt eine besonders gute Vorbereitung auf diese Aufgabe voraus, berichtet Sandra Beck-Zwifka. Die gelernte Kinderkrankenschwester ist Koordinatorin des ambulanten Kinderhospizdienstes Osnabrück. Vier ehrenamtliche Kräfte sind inzwischen geschult, eine weitere ist ab Sommer für den Einsatz bereit.

Der ambulante Dienst wird gemeinschaftlich vom Osnabrücker Hospiz und dem Kinderhospiz Löwenherz in Syke betrieben. Der Kooperationsvertrag wird am Donnerstag kommender Woche im Rathaus unterzeichnet. Die enge Zusammenarbeit dient nach Auskunft von Sandra Beck-Zwifka zugleich der Vernetzung und der Verbreitung der ambulanten Kinderhospizarbeit in ganz Niedersachsen.

Wer für diesen Dienst geschult wird, muss bereits einen Grundkurs für Hospizarbeit absolviert haben. Die Ausbildung findet dann bei Löwenherz statt. Die Aufgaben der Ehrenamtlichen sind vielfältig: Sie haben Zeit für das erkrankte Kind, spielen mit Geschwisterkindern und sind Zuhörer für die Eltern und Angehörige. Die Unterstützung erfolgt zu Hause, in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern.

Weil der ambulante Dienst über Jahre dauern kann, werden jeweils zwei Ehrenamtliche pro Familie eingesetzt. Die doppelte Besetzung sichert nach Auskunft der Koordinatorin eine dauerhafte Begleitung auch während Urlaubs- und Krankheitszeiten. Zudem könnten sich die Ehrenamtlichen austauschen. Offiziell wird der neue Dienst erst nach den Sommerferien eröffnet. Inzwischen werden aber schon zwei Familien begleitet.

Jede Familie mit einem unheilbar kranken Kind in der Stadt und im Umland kann ambulant unterstützt werden. Die Begleitung ist konfessionsungebunden und kostenlos. Der gesamte Dienst wird allein aus Spenden finanziert.

Nach der Vertragsunterzeichnung lädt der Hospizverein am Donnerstag, 23. April, um 19.30 Uhr zu einem Informationsabend im Marienhospital, Borromäus-Saal, ein. Unter dem Titel „Zuhören, Dasein, Begleiten“ wird die Praxis der ambulanten Kinderhospizarbeit von verschiedenen Seiten beleuchtet. Referenten des Abends sind unter anderem ein Vertreter von Löwenherz, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin und die Mutter einer Familie, die bereits vom Verein begleitet wird.