

Quelle: Deister- und Weserzeitung, 28. März 2010
Rumbeck (ah). Auf einer hellblauen Glückwunschkarte zur Geburt eines Jungen, an der eine kleine Ringelsocke baumelt, steht: „Da macht sich ein kleiner Mensch auf die Socken ins Leben.“ Mit einer solchen Karte wurde ein unvergleichliches Projekt geboren, das auch so umschrieben werden könnte: „Mach dich auf die Socken für das Kinderhospiz Löwenherz.“
2005 begann die Rumbeckerin Leni Bernhardt aus Wollresten kleine Söckchen für die Verpackung weihnachtlicher Geldgeschenke zu stricken. Bei ihren Kindern und Enkeln kam die Idee sehr gut an. Bis September 2006 strickte sie 500 Söckchen, die sie gerne für einen guten Zweck verwenden wollte. Als Leni Bernhardt auf das „Kinderhospiz Löwenherz“ in Syke bei Bremen aufmerksam wurde, nahm sie Kontakt auf. Seit 2003 bietet diese Einrichtung unheilbar kranken Kindern und ihren Familien Entlastung und begleitet sie dabei, den bevorstehenden Tod anzunehmen. Zusätzlich gibt es den „Ambulanten Kinderhospizdienst Löwenherz“, der schwerstkranke Kinder und deren Familien zu Hause unterstützt.
„Tief beeindruckt von dem, was ich in Syke sah und erfuhr, beschloss ich, für das Kinderhospiz aktiv zu werden“, berichtet Leni Bernhardt. Auf den Wochenmärkten in Hameln und Hessisch Oldendorf verkaufte sie Karten, an denen sie ihre kleine Söckchen befestigte, und aus 24 Söckchen bestehende Adventskalender. Da die Nachfrage groß war, suchte sie Mitstreiterinnen und fand sie im Freundinnen- und Bekanntenkreis. „War ich in Not – Schwupps, waren ihre Nadeln im Gange“, erinnert sich die Initiatorin. Mittlerweile engagieren sich 17 Frauen aus dem Stadtgebiet für das Kinderhospiz, jede mit dem ihr eigenen Talent. Helga Rinne, Elfriede Rügge, Christel Dammeyer und Margret Hoff unterstützen Leni Bernhardt tatkräftig beim Stricken. Die Socken-Karten gestalten Irmgard Vogt, Anni Weiße, Ursel Kuhnert, Magdalene Wehrmann und Inge Töneböhn. Sie schneiden, falten, stanzen auf der Vorderseite der Karten Motive aus, befestigen zusammen mit den Söckchen Papierherzen an dem kartonierten Papier und eine Einlage, auf der ein irischer Segensspruch steht. Helga Nagel, bei der alle Fäden zur Kontrolle zusammenlaufen, beschriftet die Karten mit ruhiger Hand: für Geburtstage, Konfirmationen, zu Ostern oder als Gutschein. „Mit dieser Handarbeit wird das Kinderhospiz Löwenherz und der ambulante Kinderhospizdienst unterstützt“, ist einem Stempel auf der Rückseite zu entnehmen. Zuständig für den Verkauf sind Gisela Ibens, Helga Tegtmeier, Erika Adomeit, Gitta Flöter, Helga Hage und Magdalene Wilharm. Alle Frauen bringen sich aber auch „einsatzübergreifend“ ein, wie Leni Bernhardt es nennt.
Nikolaus- und Sparstrümpfchen, Adventskalender, Schlüsselanhänger, Handysocken und die einzigartigen Karten wurden auf dem Ökomarkt und beim Felgenfest in Rinteln, bei den Kreativmärkten im HefeHof in Hameln, bei Landfrauen- und Seniorenheimveranstaltungen verkauft. Interviews bei Radio Aktiv und im NDR machten das kreativ-soziale Engagement der Frauen noch bekannter. „Von Esens bis Aachen kamen danach Bestellungen, aber auch Wollspenden, in denen wir fast ertranken, und sogar aktive Unterstützung“, erzählen die 58- bis 78-Jährigen. Und fahren fort: „Ein Mann aus Zierenberg strickt seither Handysocken, kleine und große Söckchen für uns, ein anderer Herr aus Bielefeld kam extra zum Ökomarkt nach Rinteln gereist, um uns aus Anerkennung selbst gebackenen Kuchen zu bringen.“ Ein in Rumbeck wohnender Geschäftsmann stellt kostengünstig das Papier für die Karten zur Verfügung, mehrere Geschäfte spenden regelmäßig Wolle und stellen die Handarbeiten aus. Bei einem Hersteller von Natur-Nadelspielen hat Leni Bernhardt kürzlich angefragt, ob er das Projekt „Löwenherz“ nicht mit unterstützen wolle. Ein heimischer Unternehmer bestellte er gleich 400 als Grußkarten für seine Kunden.
Seit 2008 haben die Frauen etwa 5000 Söckchen, 2500 Karten und Anhänger, 400 Nikolaussocken, 50 Paar Socken und 15 Adventskalender gestrickt. Sagenhafte 17 800 Euro konnten von 2006 an auf diese Weise für das Kinderhospiz erwirtschaftet werden. „Wir haben alle gesunde Kinder und können aus der Fülle unseres Lebens ein wenig abgeben“, ist die bescheidene Reaktion der Frauen auf diesen Erfolg.
