Ein Schlüssel für die inklusive Pflege-WG

Feierstunde mit Familie Derksen und Löwenherz in Anderten

Es war gleichermaßen eine Abschieds- wie auch eine Willkommensfeier: Mit der symbolischen Schlüsselübergabe hat die Immobilie am Käuzchenweg 2 in Hannover-Anderten nun endgültig den Eigentümer gewechselt. Wo bis vor kurzem noch das Gesundheitsstudio Derksen, eine Praxis für Krankengymnastik und Massage, beheimatet war, wird in Zukunft unter Regie des Vereins „Kinderhospiz Löwenherz e.V.“ eine inklusive Pflege-WG für junge Erwachsene entstehen.

Bezirksbürgermeister Klaus Dickneite sprach von einem Vorzeigemodell in Sachen gelebte Inklusion und hieß das Kinderhospiz Löwenherz auch im Namen der Bürger ganz herzlich in Anderten willkommen. „Viele Menschen reden immer von Inklusion, aber hier macht Löwenherz es einfach“, stellte er treffend fest. Und seine Worte rührten nicht nur die Anwesenden Gäste, Freunde und Unterstützer, sondern auch Löwenherz-Geschäftsführerin Gaby Letzing sowie die vorherigen Hauseigentümer, die Familie Derksen. Sie bedankten sich für das entgegengebrachte Vertrauen ihrer Kunden, freuten sich jedoch auch darauf, dass es mit solch einem spannenden Projekt in diesem Haus weitergeht.

Was es mit der inklusiven Pflege-WG genau auf sich hat, erläuterte Gaby Letzing. So sei die Idee dazu bereits vor mehr als zwei Jahren entstanden. „Wir haben mit betroffenen jungen Menschen und deren Eltern gesprochen, wie so ein Wohnkonzept aussehen könnte“, so die Löwenherz-Geschäftsführerin. Aus diesen Gesprächen wurde ein Konzept für eine inklusive Pflege-WG entwickelt, eine ganz neue Form selbstbestimmten Lebens. Geplant ist eine Wohnung, in der vier unheilbar erkrankte Menschen und vier Bewohner ohne Beeinträchtigung gemeinsam leben und sich den Herausforderungen des Alltags stellen. Ein Pflegedienst und psychosoziale Mitarbeiter werden die WG unterstützen.

„Wir sind total froh, dass wir ein Haus in Anderten gefunden haben und werden jetzt mit den notwendigen Umbaumaßnahmen beginnen.“

Mit Tom und Clara waren übrigens bereits zwei der zukünftigen Bewohner samt ihren Familien bei der Schlüsselübergabe dabei. Besonders Tom kann es kaum erwarten, endlich in die WG einzuziehen. Zwar braucht der 18-Jährige intensive Pflege, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, dennoch hat er gar keine Lust mehr, zu Hause zu wohnen.

„Vor drei Jahren, nach einer Klassenfahrt, begann diese Entwicklung“, erzählt Mutter Judith. „Er ist plötzlich erwachsen geworden, zog sich in sein Zimmer zurück und wollte lieber Rockmusik statt Bob der Baumeister hören.“ Ein Jahr später wurde Toms Wunsch nach Selbstständigkeit dann noch deutlicher. Seine Eltern brachten ihn zu einer Ferienfreizeit. „Eine kurze Verabschiedung und wir durften gehen – das war alles“, beschreibt seine Mutter den einschneidenden Moment. „Die Umstellung fällt uns schwer, aber wir respektieren seinen Wunsch nach Selbstständigkeit.“

Wenn alles nach Plan läuft, soll die inklusive Pflege-WG noch im Laufe des kommenden Jahres an den Start gehen. Sehr zur Freude von Tom, Familie Derksen und den Löwenherzen.

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