Ayse Bosse zog die Zuhörer beim 3. Pflege-Info-Tag mit ihrem Vortrag in den Bann.

Trauer ist bunt

Löwenherz: Autorin Ayse Bosse spricht beim Pflege-Info-Tag

„Kinder und Jugendliche trauern in Portionen – mal sind sie tieftraurig und im nächsten Moment lachen sie wieder aus voller Seele.“ Mit diesen Worten beschreibt Ayse Bosse wie Kinder dem Tod begegnen. Mehr als 70 Pflegekräfte und -schüler folgten am 3.Pflege-Info-Tag im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz dem emotionalen und sehr persönlichen Vortrag der Hamburger Autorin und Trauerbegleiterin.

Aus ihrer eigenen Auseinandersetzung mit der kindlichen Trauer sind zwei interaktive Bücher entstanden. Beide sind eine Art Erinnerungsbuch, die dabei unterstützen sollen, einen eigenen Weg zu finden, den Verlust zu verarbeiten. „Ich will zeigen, dass man sich trauen darf zu trauern. Es gibt kein falsches Trauern“, sagt Ayse Bosse. „Wer trauert, darf wütend sein, darf albern sein, darf darüber Witze machen oder tieftraurig sein, alles ist richtig.“ Kinder gehen viel unbefangener mit dem Tod um, in ihrer Trauer sind sie viel offener als Erwachsene. „Wichtig ist es, das man auf Augenhöhe miteinander redet, denn so vergeht die Angst.“ Aber auch Rituale und Erinnerungen helfen ihnen den geliebten Menschen nicht zu vergessen.

Löwenherz-Koordinatorin Isa Groth (von links), Autorin Ayse Bosse, Leiterin des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz Gaby Letzing und Bettina Zander (Löwenherz-Akademie).

Welche Rituale den Eltern bei Sterben, Tod und Trauer ihrer Kinder helfen können, beschrieben Seelsorgerin Maren Kujawa und Sozialpädagogin Christine Schwecke-Ernst. Eines davon ist zum Beispiel, dass Familien bei ihrem ersten Besuch im Kinderhospiz gemeinsam mit ihren Kindern einen Schmetterling basteln und ihn unter die Decke im Eingangsbereich hängen. Nach dem Tod des Kindes wird der Schmetterling abgenommen und in einem feierlichen Abschiedsritual an einem Luftballon in den Himmel geschickt.

Die Fachbesucher erfuhren während des Pflege-Info-Tages auch viel über den Alltag im Löwenherz. Die beiden Pflegekräfte Karin Hickl und Petra Cegiolka berichteten davon, dass zur medizinisch-pflegerischen Versorgung auch die individuelle Gestaltung des Tagesablaufs gehört. „Jedes Kind und Familie sind einzigartig. Nach ihren Bedürfnissen gestalten wir hier auch ihre Aktivitäten“, erläutertern sie. Spannend ist auch ihr Beispiel wie man nur mit den Augen kommunizieren kann. Das Mienenspiel des Gesichts ist sehr wichtig bei der nonverbalen Kommunikation Auch ohne Worte können Gefühle wie zum Beispiel Wut, Trauer oder Freude ausgedrückt werden. In einem weiteren Workshop geht es darum wie warmes Wasser Muskelverspannungen lösen kann. Welche weiteren positiven Effekte Wasser-Shiatsu (Watsu) bietet oder wie Aromatherapie auf Geist und Seele einwirkt, lernen die Teilnehmer in Workshops.

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