In der Praxis bleibt auch mal alles stehen und liegen

Ärztezeitung

Kinderärztinnen aus Syke in Niedersachsen arbeiten auch in einemKinderhospiz/Vergütung läuft außerbudgetärSyke. Eigentlich hat Angela Schütze- Buchholz genug zu tun. Zusammen mit ihrer Kollegin Christiane Bieber betreibt sie seit 1997 im Niedersächsischen Syke eine kinderärztliche Praxisgemeinschaft. Vor einem Jahr haben die beiden trotzdem zusätzlich ein weiteres Betätigungsfeld betreten: die Versorgung todkranker Kinder.Vor gut 12 Monaten öffnete in Syke das Kinderhospiz Löwenherz, ein Haus, in dem Eltern todkranker Kinder eine Zeitlang die Last der aufwendigen Krankenbetreuung an das Hospiz-Team abgeben können, ohne dass sie ihre Kinder allein lassen müssen. Auch Eltern und Geschwisterkinder können dort wohnen.Das Kinderhospiz finanziert sich über Pflegesätze und Spenden. Es wird getragen von der Diakonie Freistatt und der Kinderhospiz GmbH. Im zurückliegenden Jahr war das Haus etwa zu 50 Prozent ausgelastet. "Ein guter Schnitt", findet Gaby Letzing, Kinderkrankenschwester und Leiterin des Projektes: "Auf Dauer streben wir eine Auslastung von 70 bis 80 Prozent an."Die Kinderärztinnen fahren zwei Mal pro Woche ins HospizDas bedeutet viel Arbeit für die beiden Kinderärztinnen aus Syke. Bieber und Schütze- Buchholz kommen zwei Mal in der Woche dienstags und freitags hinaus in das neue Haus am Waldrand und untersuchen die Patienten. "Bei kritischen Fällen kommen wir sofort", sagt Schütze- Buchholz. "Auch bei Notfällen lassen wir in der Praxis alles stehen und liegen und fahren raus ins Hospiz Löwenherz."Da müsse man mal eine Mutter mit Kind in der Praxis sitzen lassen. "Das verstehen nicht alle Eltern". Wegen des zusätzlichen Zeitaufwandes hätten die beiden Kinderärztinnen für ihre Praxis gern eine weitere halbe Stelle gehabt. Aber die KV Niedersachen hat keine genehmigt.Heute ist ein ruhiger Tag. Schütze- Buchholz wird Alexander untersuchen. Seit einer Sepsis seines Gehirns im Kleinkindalter ist Alexander körperlich und geistig schwerstbehindert. Er muss ständig betreut werden und ist zum zweiten Mal im Löwenherz. An der Wand seines Zimmers hängt ein Bild. Es zeigt, wie der kleine Prinz nach den Sternen greift. Am Kopfende von Alexanders Bett sitzt eine Schmusetierfamilie. Schütze- Buchholz legt den Kopf des kalten Stethoskops auf Alexanders Brust. Das Kind windet sich und lacht, als es den ungewohnten Reiz spürt. Die Ärztin ist beruhigt: "Der Husten ist weg". Dann bekommt Alexander über einen Katheter durch die Bauchdecke ein Glas Tee. Als die Ärztin geht, werden die Vorhänge zugezogen und der CD-Spieler angeknipst, Schlafmusik erklingt. So geht es von Zimmer zu Zimmer.Am Schluss wird Schütze- Buchholz eine Stunde im Kinderhospiz gearbeitet und vier kleine Patienten untersucht haben und ein Geschwisterkind - und sie wird viel geredet haben. "Denn wir kennen die Familien nicht", sagt sie: "Wir lernen die Kinder hier in einem "Zustand X", kennen und müssen lange mit den Eltern sprechen, um ihr Vertrauen zu gewinnen und etwas zu erfahren über das Kind."