Geschenk: "Ein Viertel" Seelsorger

Kreiszeitung Syke
Landeskirche finanziert neue Stelle

LANDKREIS (gsa) Einen Seelsorger für das Kinderhospiz "Löwenherz" in Syke stellt die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers. Dies hat Landessuperintendent Arend de Vries bei einem Besuch der Einrichtung bekannt gegeben und Pastor Jörg Sbrisny vorgestellt, der mit einer Viertel-Pfarrstelle die Aufgabe seit Anfang des Jahres wahrnimmt.

"Unser Seelsorger ist ein Geschenk der Kirche. Wir sind dankbar dafür und finden es schön, dass die Kirche die Verantwortung für die Familien mit trägt", so Gaby Letzing, Geschäftsführerin des Kinderhospizes. Das Hospiz habe bereits in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres 23 Familien mit Eltern, Geschwistern und dem todkranken Kind für einige Tage oder Wochen aufgenommen, für dieses Jahr gebe es bereits 43 Anmeldungen aus Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen, sagte Letzing.

"Ich brauche noch einige Wochen, um mich einzufühlen und meine Rolle zu definieren. Ich gehöre zum Team und muss gleichzeitig draußen bleiben, weil ich auch Seelsorger für die Mitarbeiter sein will", so Sbrisny, denen er "emotionale Schwerstarbeit" bescheinigt. Hier müsse er "bedarfsorientiert" arbeiten; er schätze die lebensbejahende Atmosphäre im Haus als gutes Gegengewicht zu dem, was schwer sei. Traditionelle Formulierungen würden oft nicht tragen. "Ich muss eine neue Sprache finden, auch gerade mit den Kindern", so der 44-jährige Seelsorger. Und Landessuperintendent die Vries gab ihm den Tipp, auch Musik und neue Kinderlieder auszuprobieren. "Es gehört zu den Grundaufgaben eines Pastors, diesen Weg an die Granzen des Lebens mit den Menschen zu gehen", so der Regionalbischof für den Sprengel Calenberg-Hoya weiter: "Geistliche haben mit den alten Traditionen und den biblischen Texten einen Schatz zur Verfügung, in dem zur Sprache kommt, was betroffene Eltern häufig nicht ausdrücken können." Pastor Sbrisny sieht neben den Gesprächen seine Aufgabe darin, bei Taufe, Aussegnung und Salbung ein jeweils passendes Ritual anzubieten. "Da ist der Pastor gefragt", so der ausgebildete Krankenhaus-Seelsorger.

Im Foyer hängen von den Kindern gebastelte Schmetterlinge. Stirbt ein Kind, wird sein Schmetterling auf den Erinnerungstisch gelegt, wo auch drei Tage für das Kind eine Kerze brennt und Erinnerungen an das Kind in einem Buch aufgeschrieben werden können. Im Sommer sollen die Schmetterlinge in einen "Erinnerungsbaum" auf dem großzügigen Freigelände gehängt werden, erzählt Gaby Letzing.

An Sbrisny schätzt Letzing seine "integrative Haltung" und "sein Gespür, in Kontakt mit Mitarbeitern und Eltern zu kommen". Sbrisny arbeitet mit jeweils einer Viertel-Stelle in den Krankenhäusern in Bassum und Sulingen als Seelsorger, finanziert durch die Krankenhäuser. "Wo Fremdmittel für den kirchlichen Dienst eingeworben werden, da legt die Landeskirche gerne noch etwas drauf", erläuterte de Vries, warum nun die Landeskirche diese Viertelpfarrstelle für das Kinderhospiz neu eingerichtet hat.

Jörg Sbrisny selbst empfindet die zunächst auf zwei Jahre befristete Aufgabe als eine "Herausforderung". Abschließend stellt der Pastor fest: "Ich lerne viel von den Kindern, die hier leben. Sie haben uns viel über das Leben zu sagen."