Familien haben Kraft geschöpft

Kreiszeitung Syke - Landkreis Diepholz

Tag der offenen Tür bei "Löwenherz" / Einrichtung hat sich bundesweit einen Namen gemacht

Landkreis (al) - Während die kleine Melanie gelbe Quietsche-Enten in einer riesigen Whirlpoolwanne schwimmen lässt, probiert ihr Brüderchen das wundersame Massage-Bett im "Snoozle-Raum" aus. Lange hält es den Steppke jedoch nicht auf der Kuschelwiese, denn es gibt noch so viel anderes auf dem Gelände des Kinderhospiz "Löwenherz" in Syke zu entdecken.

Der Verein hatte zu einem "Tag der offenen Tür" geladen, um den ersten Geburtstag zu feiern. Die Resonanz war überwältigend. Bis zum Abend zählte die Vereinsvorsitzende Gaby Letzing mehrere tausend Besucher. Darunter viele, die das Kinderhospiz zum ersten Mal in Augenschein nahmen und mit großen Augen durch die Räumlichkeiten wanderten. Im Mittelpunkt stand die Information. Alle Räume waren geöffnet, in jedem standen Mitarbeiter von Löwenherz, um eventuelle Fragen zu beantworten. Für Unterhaltung sorgten zudem einige Animateure - es gab eine Tombola und jede Menge Leckereien.

Mitten im Gewimmel waren immer wieder Fernsehteams zu beobachten. Das Kinderhospiz hat sich innerhalb eines Jahres bundesweit einen Namen gemach. Und mehr noch: "Wir erfahren eine große Solidarität", freut sich Gaby Letzing.

Das vergangene Jahr vergleicht sie mit dem ersten Lebensjahr eines Kindes. " Die Schwangerschaft war lang, die Geburt ebenso, kaum auf der Welt, haben wir viel gelernt und lernen immer noch... Wir sind schnell gestartet mit sechs Kindern und haben in den kurzen Belegungspausen immer wieder das Gewesene reflektiert." Letzing ist zufrieden. Die Belegung liegt bei 50 Prozent, in Ferienzeiten sind es hundert Prozent. Der Mitarbeiterstamm wurde von 25 auf 40 Mitarbeiter erweitert und - was ihr das Wichtigste ist - die Familien, die das Hospiz aufsuchten, haben ihren Aufenthalt genossen.

"Was diese Familien leisten, ist für mich immer wieder erstaunlich", gesteht Gaby Letzing. Im Hospiz erlebt sie es am eigenen Leib, was es heißt, sterbenskranke Kinder 24 Stunden rund um die Uhr zu betreuen. Letzing: "Da bleibt kaum Zeit zum Atmen. Umso wichtiger ist der Aufenthalt für die Eltern und Geschwister. Sie haben mal Zeit für sich, können Kraft schöpfen und sich mit Menschen austauschen, die ähnliches erleben."

70 Familien fanden im vergangenen Jahr Unterschlupf bei den "Löwenherzen". Von drei Kindern musste Abschied genommen werden. Was Letzing tröstet: "Die Familien sagten mir später; dass es ein schöner Abschied war, ein humaner Abschied - würdevoll". Das gibt Letzing und Co. Kraft, weiterzumachen. Es gibt viel zu tun. Auf den Lorbeeren wollen sich die Mitarbeiter nicht ausruhen. Ihr Ziel: Das Projekt langfristig zu sichern. 400 000 Euro muss der Verein jährlich über Spenden aufbringen.