Kinderhospiz: Täglich neue Anfragen von betroffenen Familien

Kreiszeitung Syke

Bisher 35 schwerstkranke Kinder versorgt/ Spenden unverzichtbar

Syke - Ein halbes Jahr nach seiner Eröffnung hat sich das "Kinderhospiz Löwenherz" in Syke als wichtiges Hilfsangebot für Eltern mit schwerkranken Kindern etabliert.. "35 Kinder sind in den ersten sechs Monaten Betriebszeit versorgt worden. Für das laufende Jahr wurden bisher 56 Familien angemeldet", erläuterte Gaby Letzing, die Geschäftsführerin des Kinderhospizes, am Mittwoch in einer ersten Zwischenbilanz. "Täglich erhalten wir neue Anfragen von Eltern, die von uns gehört haben und sich erkundigen, ob wir der richtige Platz für sie sind. In den Osterferien sind wir ausgebucht". Die meisten Kinder und deren Eltern kamen aus Bremen und Niedersachsen für einige Tage oder Wochen zu Löwenherz. Sechs Familien nahmen auch die längere Anreise aus Nordrhein-Westfalen in Kauf. Viele der Kinder waren an unheilbaren Gendefekten oder Stoffwechselstörungen erkrankt. Einige hatten bei der Geburt schwerste Schädigungen erlitten und daher eine lebenslimitierende Prognose.

Man sei erstaunt, wie schwierig es für Eltern manchmal sei, ins Kinderhospiz zu kommen. "Es fällt ihnen schwer zuzugeben, dass sie Hilfe brauchen. Manche verbinden mit einem Kinderhospiz die Angst, ihr Kind aufzugeben", erläuterte Letzing. In Telefonaten und persönlichen Gesprächen mit Eltern erkläre man, dass ein Kinderhospiz ein Wegbegleiter und ein Entlastungsangebot sei - und nicht erst am Ende des Lebens zur Verfügung stehe. Aufgenommen werden Kinder mit tödlich verlaufenden Krankheiten, bei denen eine Heilung nach dem heutigen Stand der Medizin ausgeschlossen ist. Dazu gehören Herzerkrankungen, Stoffwechselstörungen, schwere angeborene Fehlbildungen, Hirnschäden, Chromosomenerkrankungen, Krebs oder bleibende Schäden nach einem Unfall.

Löwenherz hatte am 10. Oktober vorigen Jahres mit seiner Arbeit begonnen und die ersten Familien aufgenommen. Das erste Kinderhospiz Niedersachsens und Bremens hat acht Plätze für schwerstkranke Kinder sowie deren Eltern und Geschwister. Bis zu 150 Familien werden hier pro Jahr zu Gast sein. Das Modellprojekt wurde zu einem großen Teil durch Spenden errichtet und ist auch weiterhin auf Unterstützung angewiesen: Rund 400000 Euro Spendengelder braucht das Kinderhospiz pro Jahr für den Betrieb, denn die Kassen zahlen nur etwa die Hälfte der Kosten. Letzing: "Hospize sind die einzigen Einrichtungen im Sozialwesen, die sich zu einem großen Teil über Spenden finanzieren". Andere Einrichtungen würden fast völlig über den Tagessatz durch die Kostenträger finanziert, Hospize erhalten dagegen nur einen Zuschuss. Für die Begleitung der Eltern und der Geschwister gebe es ohnehin kein Geld.