Kinderhospiz im ersten Jahr zu 50 Prozent ausgelastet

Syker Kurier

- Gute Noten im Gästebuch: Viele Familien kommen wieder -

Syke. Betriebswirtschaftlich ist das Kinderhospiz "Löwenherz" im ersten Jahr besser über die Runden gekommen als erwartet. Das berichtete auf Nachfrage "Löwenherz"-Chefin Gaby Letzing. "Wir waren zu 50 Prozent belegt. Viele Familien haben wir im ersten Jahr wiedergesehen. Das zeigt, dass sie sich bei uns wohlfühlen".

Insgesamt 70 Familien mit todkranken Kindern waren in den ersten zwölf Monaten in Syke zu Gast. "Bedarf ist da", so die Erkenntnis der "Löwenherz"-Initiatorin. Es kamen an Krebs erkrankte Kinder und kleine Patienten mit lebensbedrohlichen Stoffwechselerkrankungen. Auch schwerst mehrfach behinderte Kinder mit schweren Hirnschädigungen fanden in dem hellen und freundlich eingerichteten Hau am südlichen Stadtrand liebevolle Aufnahme. "Die meisten haben den Wunsch, zu Hause zu sterben", berichtete Letzing. Das Hospiz könne derweil Unterstützung und Entlastung für die ganze Familie bieten. Diese werde umsorgt und könne sich vollständig auf das kranke Kind konzentrieren.

Drei Kinder erlebten in dem bislang einzigen Kinderhospiz in Niedersachsen und Bremen (eine weitere derartige Einrichtung entsteht zurzeit in Hannover) ihre letzten Tage. Bestätigt fühlen sich Letzing und ihr auf 40 hauptamtliche Kräfte, darunter zahlreiche Teilzeitbeschäftigte, angewachsene Team durch gute Noten im hauseigenen Gästebuch. Insbesondere die persönliche Nähe der "Löwenherzen" zu den schwerstkranken Kindern und ihren Eltern und Geschwistern wird immer wieder gelobt.

Dagegen habe es häufiger Probleme bei der Kostenabrechnung mit den Krankenkassen gegeben, bedauert Letzing. "Unser mit den Kassen und dem Land Niedersachsen geschlossener Modellvertrag muss sich offenbar erst mal durchsetzen." Oft hätten die Familien Hürden zu überwinden, bis die Kassen die Kosten für den Hospizaufenthalt übernehmen. Auch dabei ist "Löwenherz" behilflich. "Bei uns wird erst mal jedes Kind aufgenommen, wenn es lebenslimitiert erkrankt ist und in einer Krisensituation lebt." Das Aufenthaltsrecht im Hospiz gelte auch für Kinder, die nicht im Sterben liegen, widerspricht Letzing einer oft geäußerten Ansicht der Krankenkassen. "Löwenherz" habe es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, den betroffenen Kindern bei den jeweiligen Kostenträgern zu ihrem Recht zu verhelfen.

Nach wie vor groß ist das Interesse der Öffentlichkeit an der maßgeblich von Spenden finanzierten Einrichtung. Viele hundert Besucher - die Veranstalter zählten 2500 - kamen am Wochenende zum "Tag de offenen Tür". Auch darüber freute sich die "Löwenherz"-Chefin, denn nach wie vor ist das Kinderhospiz auf Spenden angewiesen. Letzing: "Wir brauchen für den Betrieb rund 400.000 Euro im Jahr".