Theologe Schneider ermutigt zu Akzeptanz von Sterben und Tod

Fanny Lanfermann, Geschäftsführerin des Vereins (links) und Gaby Letzing, Leiterin des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz, begrüßten Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD.

Quelle: landeskirche-hannovers.de, 22.01.2018

Syke/Hannover. Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat die Menschen dazu aufgerufen, Leiden, Sterben und Sterbebegleitung als Teil des Lebens anzunehmen. Aus seiner eigenen Erfahrung mit der Krankheit und dem Tod seiner jüngsten Tochter Meike vor 13 Jahren wisse er, dass Sterben ein intensiver Teil des Lebens für die Betroffenen und ihre Begleitpersonen sei, sagte Schneider am Freitag bei einem Vortrag im Kinder- und Jugendhospiz "Löwenherz" in Syke bei Bremen: "Krankheit, Sterben und Todeserfahrungen gehören zum Leben und ins Leben."

Wer gezielt daran arbeiten wolle, frei von Leid und Trauer zu leben, der müsse sich abschotten gegenüber intensiven Gefühlen, betonte Schneider beim Neujahrsempfang der Einrichtung für sterbenskranke Kinder und ihre Angehörigen. Sterben, Tod, Abschiede und Trauerwege gehörten zur Fülle des irdischen Lebens. "Und damit unser Leben nicht zu einem oberflächlichen Dahin-Existieren wird, dürfen wir Sterbebegleitung, empathische Beziehungen zu Sterbenden und Trauerwege nicht vermeiden, ja gar nicht erst vermeiden wollen." Schneider war von 2010 bis 2014 EKD-Ratsvorsitzender und von 2003 bis 2013 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.                                                                                          

Der Theologe betonte seinem Manuskript zufolge, es gehe ihm nicht darum, Leid, Sterben und Verlust zu verharmlosen. Auch die Angst vor dem Sterben und der Wunsch, mit Leiden und Verlust umgehen zu können, seien menschlich. Doch die Angst vor Abschieden gehöre zur Liebe. "Trauerwege sind der Preis für Liebesbeziehungen. Wir haben ihn gern gezahlt, diesen Preis, vor Meikes Krankheit und Sterben." Er wolle diese Erfahrungen nicht aus seinem Leben streichen, bekannte Schneider und ergänzte: "Aber auch nicht wiederholen."

Der 70-Jährige ermutigte die Zuhörer, angesichts des Todes nicht zu verzweifeln: "Menschen können Glück und gelingendes Leben auch angesichts von Sterben und Tod wahrnehmen, erfahren und gestalten." Auch Trauerwege könnten Wege voller Glauben, Hoffen und Lieben sein. Der Tod verwandle das Leben der Zurückbleibenden: "Meine Gottesbeziehung und meine Menschenbeziehungen haben sich in diesen Jahren gleichsam verdichtet und mir eine neue Sensibilität geschenkt für das, was im Leben wichtig ist und zählt."