Löwenherz hilft, wenn ein Kind sterbenskrank ist

Die Ehrenamtlichen des Kinderhospizes Löwenherz Anja Schulze-Gaus (links) und Meike Stichnoth (Zweite von rechts) mit Sprecher Heiner Brock und Koordinatorin Jessica Illing.
Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Quelle:  Braunschweiger Zeitung, 25.02.2018

Von Katja Dartsch

BRAUNSCHWEIG Die Ehrenamtlichen des Kinderhospizes entlasten die betroffenen Familien, hören zu und spenden Trost.

Ein schwerstkrankes Kind in der Familie ist eine enorme Belastung: Da ist zum einen die große Sorge um das Kind, zum anderen sind die Eltern oft Tag und Nacht mit der Pflege und Betreuung gefordert.

Der Kinderhospiz-Stützpunkt Löwenherz unterstützt diese Familien. 19 Ehrenamtliche sind geschult, um mit ihren Besuchen den Familien den Alltag ein wenig zu erleichtern: Sie beschäftigen sich mit dem erkrankten Kind, unternehmen etwas mit den gesunden Geschwisterkindern, erledigen kleinere Arbeiten – oder sind einfach zum Reden da.

Den Trägerverein Löwenherz in Syke bei Bremen gibt es seit 20 Jahren. Vor drei Jahren wurde der „Ableger“ in Braunschweig gegründet. Der Anfang verlief schleppend, im ersten Jahr nahmen lediglich drei betroffene Familien das Angebot in Anspruch. „Ähnlich war es damals auch in Bremen. Zwei bis drei Jahre brauchte es dort, bis das Angebot bekannt war. Mittlerweile werden in Bremen mehr als 30 Familien begleitet“, sagt Heiner Brock, Sprecher des Vereins.

In Braunschweig sind es aktuell elf Familien, die vom ambulanten Kinderhospiz Löwenherz unterstützt werden. Laut Heiner Brock finanziert sich das Angebot zu 95 Prozent über Spenden: „Nur einen kleinen Teil unserer Kosten für Personal, Material, Fahrten und Schulungen können wir mit Fördergeldern vom Land decken.“ Die Kosten für den Stützpunkt in Braunschweig belaufen sich laut Brock auf 180 000 Euro im Jahr, die der Trägerverein übernimmt. „Der Standort Braunschweig allein trägt sich nicht“, so Brock – trotz zahlreicher Spenden von Unternehmen und Privatpersonen in der Stadt, für die man sehr dankbar sei.

Die ehrenamtliche Helferin Anja Schulze-Gaus kümmert sich um ein 18-jähriges Mädchen. Die junge Frau ist bettlägerig und wird beatmet. „Ich mache Schattenspiele, lese ihr vor und mache auch viel Blödsinn mit ihr. Wenn sie lacht und strahlt, ist das das Schönste für mich“, erzählt die 50-Jährige. Der Gedanke, dass das Mädchen nicht lange zu leben hat, sei anfangs stets präsent gewesen. „Mit der Zeit ist das aber in den Hintergrund getreten. Ich genieße einfach die gemeinsame Zeit“, so Schulze-Gaus.

Derzeit sind alle Ehrenamtlichen in Braunschweig Frauen. „Wir suchen weitere Helfer und würden uns über ein paar Männer im Team freuen“, sagt Koordinatorin Jessica Illing. Was müssen die Ehrenamtlichen können? „Es müssen Menschen sein, die Zeit mitbringen und zuhören können“, sagt Jessica Illing. Menschen, die sich nicht so leicht unterkriegen lassen und die das Positive sehen.

So, wie die Ehrenamtliche Meike Stichnoth, die erzählt: „Innerhalb kurzer Zeit waren drei meiner Angehörigen im Hospiz gestorben. Insbesondere mein Vater hatte große Angst vorm Sterben. Da habe ich gemerkt: Ich kann viel geben und Freude und Normalität ins Leben bringen, auch wenn es dem Ende zugeht. Der Aufruf in der Zeitung vor drei Jahren, als Löwenherz Helfer gesucht hatte, war ein Glücksfall für mich.“

SCHULUNG

Im April findet der nächste Schulungskurs für ehrenamtliche Mitarbeiter beim ambulanten Kinderhospiz Löwenherz statt. Es gibt noch freie Plätze. Die Schulung umfasst 120 Stunden und wird als Bildungsurlaub anerkannt. Im September beginnt ein weiterer Kurs.

Infos unter illing@loewenherz.de oder telefonisch unter  (0531) 70744977.