Der Weg der Trauer gehört ins Leben

Fanny Lanfermann, Geschäftsführerin des Vereins (links) und Gaby Letzing, Leiterin des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz, begrüßten Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD.

Pressemitteilung Syke, 19.01.2018

Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche (EKD), beim Neujahrsempfang im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz

Syke – Löwenherz hat in diesem Jahr mehrere Gründe zum Feiern: Der Verein wird 20 Jahre alt, das Kinderhospiz öffnete vor 15 Jahren, seit 10 Jahren besteht die Stiftung und vor fünf Jahren wurde das Jugendhospiz eingeweiht. Beim Neujahrsempfang am Freitag gab Gaby Letzing, Leiterin des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz, einen Ausblick auf die  bevorstehenden Feierlichkeiten. Gleichzeitig erinnerte sie an die 14 im vergangenen Jahr verstorbenen Kinder und Jugendlichen. 2017 besuchten insgesamt 189 Familien das Kinder- und Jugendhospiz.

Als Gastredner konnte in diesem Jahr Nikolaus Schneider gewonnen werden, der von 2010 bis 2014 als Ratsvorsitzender die Geschicke der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) leitete. Vor den rund 60 Gästen sprach er über das Sterben, Tod und Trauer seiner dritten und jüngsten Tochter Meike. Sie verstarb 2005 im Alter von 22 Jahren an lymphatischer Leukämie, einer Form von Blutkrebs. Als Vater und vor allem als Theologe sei er im Bezug zu Gott nachdenklich geworden. Schneider: „Wie können wir nach dem für uns so vorzeitigen Tod unserer Tochter weiter auf Gottes Liebe und Menschennähe vertrauen?“. Er sei jedoch zu dem Schluss gekommen, dass sich sowohl seine Gottesbeziehung als auch seine Menschenbeziehungen verdichtet hätten. „Wer für sein Leben möglichst alle Sterbe- und Todeserfahrungen und das Durchleben und Durchleiden von Trauerwegen vermeiden und  verdrängen will, verfehlt letztendlich die Fülle des Lebens. Er wird dadurch auch beziehungsunfähig“, sagte Schneider. Durch die Trauer habe er an Sensibilität gewonnen und erkannt, was im Leben wichtig sei und zähle. Schneider: „Auch Trauerwege können Wege voller Glauben, Hoffen und Lieben sein“. So gehörten Krankheit, Sterben und Todeserfahrungen zum Leben und ins Leben.

In seiner Rede betonte der Theologe die große Notwendigkeit der Begleitung sterbender Menschen. „Damit unser Leben nicht zu einem oberflächlichen Dahin-Existieren wird, dürfen wir Sterbebegleitung, empathische Beziehungen zu Sterbenden und Trauerwege nicht vermeiden, ja gar nicht erst vermeiden wollen“, sagte er. 

In ihrem anschließenden Vortrag betonte Kirsten Höfer, Leitung ambulante Kinderhospizarbeit Löwenherz, dass es für die ehrenamtlichen Kinderhospizbegleiter sehr wichtig sei, auch Distanz wahren zu können. Sie müssten dabei einen Spagat hinbekommen. Die Ehrenamtlichen seien zwar einfühlsam und geduldig, dürften aber nicht mitleiden, so Höfer. Sehr wichtig sei es, dass auch die Begleiter begleitet würden. Regelmäßig gebe es Supervisionen und Gruppenabende, an denen sich Ehrenamtliche und Koordinatorinnen austauschen. „Wenn man bedenkt, dass in der Kinderhospizarbeit die erkrankten Kinder und Jugendlichen oft über Jahre begleitet werden, ist die Herausforderung groß“, so Höfer. Hochgerechnet sind für die ambulante Kinderhospizarbeit bei Löwenherz in den vergangenen Jahren mehr als 50 000 Stunden ehrenamtlich geleistet worden, sagte Kirsten Höfer.

Aufgrund der wachsenden Nachfrage von Familien in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Emsland möchte Löwenherz auch dort die ambulante Kinderhospizarbeit aufbauen und einen Stützpunkt errichten, teilte Fanny Lanfermann mit, Geschäftsführerin des Vereins. In Bremen sollen künftig der ambulante Kinderhospizdienst Bremen und Umzu, Ambulant Niedersachsen sowie die neugegründete Bildungsakademie Löwenherz unter einem Dach vereint werden. Lanfermann: „Dann haben wir auch in Bremen künftig ein kleines Löwenherz-Zentrum“.

Im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in Syke bei Bremen (Landkreis Diepholz) können jährlich bis zu 250 Familien mit unheilbar erkrankten Kindern und Jugendlichen zu Gast sein. Sie werden für bis zu vier Wochen im Jahr aufgenommen. Beide Häuser haben jeweils acht Pflegezimmer sowie Zimmer für Eltern und Geschwister. Die schwerstkranken Gäste werden von professionellen Pflegekräften rund um die Uhr liebevoll versorgt, während sich ihre Familien erholen können. Das Kinder- und Jugendhospiz ist das erste in Niedersachsen und Bremen und wird zu einem Drittel durch Spenden finanziert. Daneben bietet Löwenherz mit seinen ambulanten Kinderhospizdiensten in Bremen und Braunschweig Familien mit erkrankten Kindern Begleitung und Unterstützung an. Der Stützpunkt in Brauschweig kooperiert zugleich mit Vereinen aus der Region und vermittelt bei Anfragen Familien mit unheilbar erkrankten Kindern an den nächst gelegenen Dienst. In Niedersachsen arbeitet Löwenherz mit insgesamt 23 Hospizvereinen zusammen und bildet Ehrenamtliche in Kinderhospizarbeit aus.

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