„Nicht schön, sondern geil und laut“

Sie sorgen für Stimmung: Felix Fleischmann (links) und Simon Bröker. (Joachim Pantel)

Quelle: Syker Kurier, 05.11.2018

von Micha Bustian

Erstes Benefiz-Rudelsingen in Syke

Syke. Nur wo Nutella drauf steht, ist auch Nutella drin. So ist das mit dem Rudelsingen auch. Republikweit wird die Idee, gemeinsam Karaoke nach Anleitung zu singen, aufgenommen. Es wird Herdensingen genannt, Schwarmsingen, Gruppensingen. Doch nur das Rudelsingen ist das Rudelsingen. Und am Donnerstag, 8. November, kommt das Original nach Syke. Dann haben mehr als 500 Menschen im Syker Theater die Möglichkeit, nach Herzenslust zu röhren, zu grölen, zu singen. Los geht's um 19.30 Uhr.

Über Jahre hinweg war das Singen aus der Mode gekommen. Chöre waren etwas für Kinder oder ältere Menschen. Spießig, mit dem Mief der Vergangenheit bedeckt. Dann kam David Rauterberg. Der Mann aus Münster veranstaltete Treffen, bei denen Menschen nach Herzenslust laut zusammen singen konnten. Niemand wurde getadelt, wenn er den Ton nicht präzise traf. Es ging um das Gemeinschaftsgefühl. Gesungen wurde frei nach Marius Müller-Westernhagen „nicht schön, sondern geil und laut“. Das kam an. Und das kommt es bis heute. Hundertschaften versammeln sich regelmäßig im Modernes in Bremen, um – angeleitet von Felix Fleischmann und Simon Bröker – die Stimmbänder zu strapazieren.

„Das ist eine ziemlich große Geschichte geworden“, sagt Simon Bröker. Zehn Teams würden das Rudelsingen in 100 Städten begleiten – von Rostock bis nach Meckenbeuren, von Aachen bis nach Cottbus. Bröker und „Flexi“ Fleischmann bilden das Team Nord. Das ist, in anderer Besetzung, schon einmal in der Hachestadt gewesen. Im Dezember 2015, open air bei den Weihnachtlichen Kulturtagen. Schon viel zu lange her, mögen Sangeslustige denken. Sie freuen sich auf rund zwei Stunden voller selbst gemachter Musik. Das Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz hingegen freut sich über die Einnahmen. Denn dieses Rudelsingen am 8. November ist ein Benefiz-Rudelsingen. „Eine betroffene Mutter hat uns angesprochen“, erzählt Bröker. „Und dann ist David Rauterberg auf uns zugekommen“, erzählt Kathrin Wilken von der Stadtverwaltung die Geschichte weiter. Dass die Stadt dafür das Theater freigehalten hat, hält Nicole Schmidt vom Hospizverein für „eine tolle Geschichte“.

Mit der eigenen Stimme etwas Gutes tun und dabei noch Spaß haben – einfacher geht es nun wirklich nicht mehr. Wer sich nicht so recht traut, dem sagt Simon Bröker: „Jeder kann singen. Dafür braucht es auch keine Übungen.“ Schon oft seien Menschen nach dem Rudelsingen auf ihn zugekommen und hätten gesagt, dass sie nie gedacht hätten, wie viel Spaß ihnen das machen könnte. Laut oder leise? Das sei in diesem Fall auch egal. „Das muss niemandem peinlich sein.“ Zur Auflockerung erzählen Bröker und Fleischmann zwischendurch Geschichten, machen Späßchen. „Die Stimmung schwappt sehr schnell über“, weiß Kathrin Wilken, die den Spaß schon selbst im Bremer Modernes mitgemacht hat.

Simon Bröker und Felix Fleischmann begleiten den großen Chor mit Gitarre, Bass, Ukulele und Percussion. Intoniert wird „alles von Schlager bis Hardrock“. Wer Wünsche hat, kann die auf der Internetseite www.rudelsingen.de formulieren. Unter der Vorstellung der einzelnen Teams laufen die Titel dann in Dauerschleife: „In The Ghetto“ von Elvis Presley, „I Follow Rivers“ von Lykke Li, „Mein Herz, es brennt“ von Beatrice Egli, „Herzilein“ von Rudolf Rock und die Schocker oder „It's My Life“ von Bon Jovi – nur fünf von vielen Wünschen. Bröker findet Liederwünsche „sehr gut“, gibt aber zu bedenken: „Sie funktionieren bei einer solchen Veranstaltung nur, wenn sie im kollektiven Gedächtnis gespeichert sind.“ Heißt: Wenn sie möglichst viele Menschen kennen.

Karten gibt es im Vorverkauf für 13 Euro (ermäßigt elf Euro) online unter www.rudelsingen.de.