Erstes „Rudelsingen“ im voll besetzten Syker Theater

Hände links, Hände rechts: Rudelsingen im voll besetzten Syker Theater. Hände links, Hände rechts: Rudelsingen im voll besetzten Syker Theater. Foto: Husmann

Quelle: Kreiszeitung, 09.11.2018

Wenn Trude mit Paul 99 Ballons steigen lässt

Syke - Von Detlef Voges. Schrille Outfits neben normaler Freizeitgarderobe, ausgelassene Stimmung und gute Laune, schunkelndes und Arme schwenkendes Publikum – am Donnerstagabend war im voll besetzten Syker Theater „Rudelsingen“ angesagt.

Offenkundig ein Muss querbeet durch die Generationen zwischen 18 und 78 und ein Spaßfaktor besonders beim weiblichen Geschlecht. Die gefühlt zehn Männer unter der femininen Dominanz fielen auch gesanglich kaum ins Gewicht. Frauen bestimmten das erste Rudelsingen in Syke. „Männer trauen sich wohl nicht“, meinte eine junge Frau ohne Bissigkeit, zu diesem Anlass mit Freundinnen nur der Ausgelassenheit verpflichtet. Die Marke „Rudelsingen“, längst Kult, entstand vor sieben Jahren in Münster. Jeden Monat treffen sich seitdem über 10 .000 Menschen in über 100 Städten, um gemeinsam Hits zu singen – alte und neue.

Das Konzept ist einfach: Auf der Bühne stehen zwei Musiker, die die Hits einstimmen und begleiten, im Saal wartet das gesangsfreudige Publikum auf den Einsatz.

Textsicher muss niemand sein (sind die Rudelsinger in Syke aber). Die Texte werden mit einem Beamer für alle gut lesbar auf eine Leinwand projiziert, bei Bedarf auch auf Englisch oder Französisch.

Die Vertrautheit der Rudelsinger mit den Hits ist frappierend. Sobald der Text auf der Leinwand erscheint, setzen die Stimmen treffsicher zur Melodie ein. Das freut auch Simon Bröker und Felix Fleischmann, die die Veranstaltung musikalisch und moderierend begleiten.

Der Spaßfaktor greift übrigens sofort. „Wer war denn schon mal auf...?“, fragt Simon Bröker einleitend. Viele Hände gehen hoch. Die Frauen jubeln, kennen sich offenbar von anderen Rudelsinger-Treffs. Bröker hat leichtes Spiel. „Wenn wir singen, wird nicht gequatscht. Wenn wir singen, steht jeder auf“, legt er gleich zwei Regeln fest. Alles klar, wissen doch alle und stehen später gut zwei Stunden, sich im Rhythmus der Hits wiegend. Auch sportlich durchaus hitverdächtig.

Dann geht es los mit Udo Jürgens’ „Ich war noch niemals in New York“. Ein Stimmungsmacher auf jeder Party. Bei Hans Albers’ Klassiker „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ darf geschunkelt werden. Bei „What a feeling“ aus dem Film „Flashdance“ geht die Post ab im Theater. Der Riesenchor, Herr Fischer würde sich freuen, singt sich warm.

Hände links, Hände rechts, Abbas „Dancing Queen“ lässt rhythmische Bewegungen zu. Auch Nenas „99 Luftballons“ oder Westernhagens „Willenlos“.

Was im Theater zündet, ist sicherlich auch der bunte Mix, der den Bogen spannt von Trude Herrs „Ich will keine Schokolade“ und Paul Kuhns „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ bis zu Paveiers „Leev Marie“ und Can’t buy me love“ von den Beatles.

Innig wird das Kinderlieder-Medley über Pippi Langstrumpf, die Sesamstraße und die Insel mit zwei Bergen. Die Hits lösen eine soziale Karte. Sie laden ein zum gemeinschaftlichen Agieren. Und was liegt da näher als das Singen bis zum Abwinken, heißt es doch im Volksmund: wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen kennen keine Lieder.

An diesem Abend schon gar nicht, geht doch der Erlös des Rudelsingens an das Kinderhospiz Löwenherz. Dessen Vorsitzende Gaby Letzing dankt deshalb auch für dieses Party-Engagement.