Viel Raum für das Ehrenamt

Viel Angebot, wenig Nachfrage: Bei der Syker Ehrenamtsmesse wurden die Vereine und Institutionen nicht gerade überrannt. (Jonas Kako)

Quelle: Syker Kurier, 11.11.2018

von Karsten Bödeker

Syker Ehrenamtsmesse

Die Ehrenamtsmesse im Syker Rathaus belegte, dass von Menschen inzwischen lieber kurzzeitige als langfristige Projekte übernommen werden. Das macht es für vereine und Institutionen nicht einfacher.

Syke. Als vor knapp 40 Jahren der Standort für das Syker Rathaus festgelegt wurde, hatte man sich für einen Ort entschieden, der – vorsichtig gesagt – nicht gerade mitten im Trubel der City liegt. So steht der Verwaltungssitz nur an ganz wenigen Tagen im Jahr im Mittelpunkt des Besucherinteresses. Jetzt fanden binnen 22 Stunden gleich drei Veranstaltungen statt. Am Tag nach der Nacht der Jugend und parallel zum Frauenflohmarkt in der Bibliothek gab es im Ratssaal und drumherum die Ehrenamtsmesse zu bestaunen.

Eingeladen hatte die Freiwilligenagentur, und gekommen waren zwei Dutzend Vereine und Vereinigungen, um für ihre Arbeit, genauer gesagt: um Unterstützer für ihre ehrenamtliche Arbeit zu werben. Die Interessierten konnten sich auf eine Art Speedating einlassen. Reizt mich ein Sportverein oder doch eher eine Selbsthilfegruppe? Will ich den Bürgerbus fahren oder Lebensmittel für die Tafel sortieren? Möglichkeiten über Möglichkeiten.

Die Besucherresonanz hielt sich in Grenzen, vor allem in der letzten Dreiviertelstunde informierten sich die Aussteller eher gegenseitig an den anderen Ständen. Trotzdem war durch die Bank zu hören, dass jeder noch so kleine Kontakt wichtig sei, man bleibe schließlich im Gespräch. Alle zwei Jahre findet die Messe statt. Regina Pasenau von der Freiwilligenagentur organisiert sie und wirbt seit Jahren unermüdlich für die Vermittlung von Ehrenamtlichen. Kein Wunder, schließlich ist der Bedarf groß, denn dem Ehrenamt wird es durch schwierigere Berufssituationen deutlich schwerer gemacht als noch vor zwei Jahrzehnten. Auf der anderen Seite ist die Zahl der fitten Rentner so groß wie nie. Da muss doch zusammenfinden, was sich sucht.
 
Doch ganz so einfach ist das nicht.  „Die Menschen wollen lieber konkret für ein Projekt angesprochen werden“, verriet ein Insider. „Die Landschaft hat sich verändert“, bestätigte auch Regina Pasenau. Es sei schwieriger, Menschen für die langfristige Arbeit zu gewinnen. Projekte dagegen würden gern begleitet. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Vermittlung stand am Tisch des TuS Syke, kurioserweise dem einzigen Sportverein, der dabei war. Diana Ackerstaff suchte vor fünf Jahren eine ehrenamtliche Tätigkeit und ist inzwischen festes Vorstandsmitglied. Für den Hachelauf im nächsten Mai und für die Pflege des Sportplatzes sucht der TuS Helfende. „Wir sind ein großer Vereine, hier findet jeder was“, lachte Sigrun Steinmetz, die als „Turnkindmutti“ begonnen hatte und inzwischen erste Vorsitzende ist. „Man muss aber nicht gleich im Vorstand einsteigen“, schmunzelte Pasenau, die von Christin Brümmer unterstützt wurde. Das Quartiersmanagement steht in Syke gerade im Mittelpunkt.

Vom Tierheim Arche Noah aus Brinkum waren Mareike Bergmann und Ann Kathrin Meise gekommen. Auch für die Stadt Syke werden dort die Findeltiere aufgenommen und betreut. Trotz 13 Angestellter wird ehrenamtliche Unterstützung benötigt. Gassi gehen, Käfige reinigen und auch das Überprüfen und Begleiten von Menschen, die die Fundtiere aufnehmen wollen, gehöre zu den Aufgaben. Rund 100 Vierbeiner, vor allem Katzen und Hunde, werden zurzeit betreut. Um die Natur kümmert sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und informierte über seine Arbeit.

Einen großen Raum nahm wieder mal der soziale Bereich ein. Selbst große Institutionen mit siebenstelligen Jahresumsätzen wie die Lebenshilfe und das Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz benötigen ehrenamtliche Unterstützung. Der Sozialverband VdK hilft im Dschungel der Sozialleistungen und lud in Syke zum Quiz ein. Release und die Guttempler helfen bei Sucht und anderen Krisen. Vom Weißen Ring, der Verbrechensopfern hilft, war Werner Käding da: „Wir sind keine Rechtsanwälte und Therapeuten. Aber wir kennen Rechtsanwälte und Therapeuten.“ Vermittlung sei die Hauptaufgabe. Das schließt nicht aus, dass er auch Details der Verbrechen mitbekomme. Menschen, die als Kinder missbraucht worden seien und erst als Erwachsene darüber sprechen könnten, machten ihm besonders zu schaffen. „Wer uns unterstützen möchte, ist herzlich willkommen.“ Damit sprach allen Ausstellern aus dem Herzen.

Die Syker Freiwilligenagentur erledigt den Kontakt. Regina Pasenau hatte noch ein Lob parat: „Die Aussteller waren sehr aufmerksam und offen für Gespräche. Niemand hat sich mit seinem Handy zurückgezogen.“