Bunte Zukunft mit dunklen Schatten

Quelle: Delmenhorster Kurier, 16.06.2019

Projektwoche im Gymnasium

von Jochen Brünner

Drei Tage lang haben sich knapp 1000 Schüler des Gymnasium Ganderkesee intensiv mit Zukunftsthemen befasst. Das Fazit der Abschlussmesse: Die Zukunft ist bunt, wirft aber dunkle Schatten.

Ganderkesee. „Wir sind biologisch abbaubar“, rappten einige Schüler auf der Bühne der Gymnasial-Aula kritisch zum Thema Klimawandel, derweil Teilnehmer des Stomp-Projektes Glocken, Pfannen und Kochtöpfe rhythmisch bearbeiteten. Unter dem Motto „Be the Change – Die Zukunft sind wir“ haben knapp 1000 Schüler aller Jahrgänge die Ergebnisse aus insgesamt 41 Projekten präsentiert, mit denen sie sich drei Tage lang intensiv beschäftigt hatten. Und so verwandelte sich die Schule einen Nachmittag lang in eine bunte Zukunftsmesse – mit mitunter dunklen Schatten.

Dabei standen etwa Themen wie Klimawandel, Geschlechtergerechtigkeit, vegetarische Ernährung oder technischer Fortschritt im Fokus. So hatte eine Schülergruppe beispielsweise ein Altersheim besucht und schilderte nun ihre Erlebnisse. Eine andere hat örtliche Supermärkte auf die Akzeptanz und auf das Bewusstsein für regionale Lebensmittel getestet. „Wir wollten für die Projekttage einen Rahmen finden, in dem wir möglichst viele unterschiedliche relevante Themen unterbringen können“, erläuterte Schulleiterin Renate Richter bei der Begrüßung in der Aula das Konzept.

Eine Gruppe um Physik- und Mathelehrer Olaf Coste hat sich etwa mit dem Thema Herzgesundheit auseinandergesetzt. Auf dem Flur informierten Schaubilder über verbreitete Krankheiten wie Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz, im Klassenraum gab es in einem Erlebnisbereich dann die Gelegenheit, Blutdruck zu messen oder Herzmassagen an Puppen zu trainieren. „Dass jemand Probleme mit dem Herzen hat, mag hier aber niemand zugeben“, meinte Coste, der nach eigener Aussage in den drei Projekttagen „genauso viel gelernt hat wie die Schüler“.

Ganz besonders waren auch die Spaghetti, die eine Projektgruppe zubereitet hatte, die sich mit dem Thema „Solaröfen“ befasst hat. Nur mit Hilfe eines Pappkartons, ein bisschen Styropor zur Dämmung, schwarzer Farbe sowie Alufolie war es den Schülern gelungen, Wasser auf eine Temperatur zwischen 80 und 100 Grad zu erhitzen. „Je kleiner der Ofen, desto heißer das Wasser“, erklärte Colin aus dem achten Jahrgang das Prinzip. Wobei den Schülern die direkte Sonneneinstrahlung über der Gemeinde Ganderkesee an diesem Nachmittag zweifellos in die Karten spielte.

Offiziell lautete das Motto einer Schreibwerkstatt zwar „Utopien“, herausgekommen ist aber eine mehr als 100 Seiten starke Textsammlung über Dystopien. Sehr düster, sehr pessimistisch. „Dystopien sind doch viel realistischer“, erklärten die Projektbeteiligten unisono ihren Hang zur künstlerischen Schwarzmalerei. Gleich gegenüber ließ die Robotik-Gruppe ihre selbstgebauten Fahrzeuge entlang einer roten Linie auf dem Fußboden fahren. Andere Geräte waren in der Lage, einzelne Buchstaben zu schreiben. Das Tempo war dabei allerdings so langsam, dass noch einige Projekttage nötig sein werden, bis es die Roboter auch nur annähernd auf eine Geschwindigkeit bringen, die etwa bei Klassenarbeiten verlangt wird.

Auf der Bühne saßen derweil die Tiere Gericht über die Menschen – und es klang gar nicht gut, für was sich die Menschen in Sachen Tierleid und Umweltverschmutzung alles verantworten mussten. Eine weitere Gruppe hatte sich dem Thema vegetarische Ernährung angenommen und Tipps für ein fleischfreies Frühstück zusammengetragen.

„Die Organisation war sehr anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Auch die Becheraktion war ein Erfolg“, zog Fynn Cordes aus der Schülervertretung (SV) ein zufriedenes Fazit. Die SV, die sich erstmals intensiv in die Organisation der Projekttage eingebracht hatte, hatte die Gäste aufgefordert, eigene Kaffeebecher mitzubringen, um auf Plastik- und Einweggeschirr verzichten zu können.

Der Erlös soll nun drei karitativen Einrichtungen zugute kommen. Als Spendenempfänger haben die Schüler diesmal die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), das Kinderhospiz „Löwenherz“ sowie die Aufforstungsorganisation „Prima Klima“ als Adressaten ausgewählt. Bereits während der Präsentation waren die Plätze, bei denen sich die Besucher für eine mögliche Knochenmarkspende registrieren lassen können, stets voll belegt. '„Wir hätten vielleicht sogar einen größeren Raum belegen sollen, um Wartezeiten zu vermeiden“, erklärte Lehrer Lars Hinrichs.