Kraft des Löwen spiegelt sich in Architektur wider

Pläne für das Kinderhospiz in Syke vorgestellt/Verein will im April mit dem Bau beginnen/Noch klafft eine große Finanzlücke

Syke. Wie ein überdimensionaler Löwe, der einladend offen die Vorderläufe spreizt, soll es sich ab Ende kommenden Jahres zwischen Wald, Wiesen und Felder am südöstlichen Stadtrand einfügen: das neue Kinderhospiz. Gestern präsentierte der Verein "Löwenherz" die Bauzeichnungen seiner geplanten Zufluchtstätte für sterbenskranke Kinder und deren Familien. Baubeginn ist voraussichtlich im April.

Es ist ein geschwungener, dreiflügeliger Bau mit einem markanten zentralen Dach-Dreieck, den die Oldenburger "Architektinnen im Wasserturm" auf das Grundstück Siebenhäuser setzen wollen. Einzelzimmer für insgesamt acht Kinder liegen im "Löwenschwanz", dem rückwärtigem, zum Wald auf der Nordseite weisenden Trakt. Eben so viele Elternzimmer und ein lichtdurchfluteter Gemeinschaftsraum sind im ersten Stock vorgesehen - direkt über dem Eingangsbereich mit Kaminzimmer und Aufenthaltsraum. Verwaltung und Therapieräume sind in den "Vorderbeinen" untergebracht. Vorgesehen ist auch ein so genannter Abschiedsraum, in dem die Familien ungestört von gestorbenen Kindern Abschied nehmen können.

"Wir möchten ein Gebäude entwickeln, wo man die Kraft des Löwen spürt", erklärte Architektin Andrea Geister-Herbolzheimer, die sich vom Namen des vor drei Jahren in Sulingen gegründeten Hospizvereins hat inspirieren lassen. Bewusst hat sie mit Feuerstelle, Wasserteich und Lichteinlässen elementare Bezüge vorgesehen. Und auch die Geometrie des großen Zink-Dreieckdaches "über einem Gebäude, wo Abschied vom Leben genommen werden muss" will sie sinnbildlich für Körper, Geist und Seele verstanden wissen.

 "Familien mit schwerstkranken Kindern können zu uns kommen, wenn sie Entlastung brauchen", erläuterte "Löwenherz"-Chefin Gaby Letzing das Konzept. Insbesondere in der schwierigen Phase, wenn ein Kind im Sterben liegt, stießen Eltern und Geschwister an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, so die Erfahrung der Kinderkrankenschwester. Für die regelmäßige medizinische Betreuung in der Einrichtung hat sie die Syker Kinderarztpraxis von Dr. Angela Schütze-Buchholz und Dr. Christine Bieber gewonnen. Darüber hinaus sei die Zusammenarbeit mit allen Kinderärzten der Region angestrebt.

Das Anliegen des Vereins weckte in den vergangen Monaten große Anteilnahme in der Öffentlichkeit. Von dem einstweilen fest angelegten Vereinsvermögen, rund 1,5 Millionen Mark, stammt der größte Teil aus Spenden, wie Vorsitzende Letzing erklärte. Etwa 3,7 Millionen sind allein für den Neubau veranschlagt. Darüber hinaus benötige man Geld zur Deckung der Betriebskosten in dem später 20 Mitarbeiter beschäftigenden Haus. Nach derzeitiger Kalkulation sollen etwa 50 Prozent der Betriebskosten von der Pflegekasse aufgefangen und die andere Hälfte durch Spenden abgedeckt werden. "Wir sind dabei, öffentliche Gelder von Land und Bund zu beantragen, und hoffen auf Zuwendungen von Stiftungen." Aber auch auf private Spender sei der Verein künftig dringend angewiesen, betonte Letzing. Gerade starteten die "Löwenherzen" eine Sammelaktion für "Schlafmünzen", zu der Sykes Bürgermeister Uwe Rüte gestern einen Beitrag leistete. Trotz der klaffenden Finanzlücke gibt sich die Vereinschefin optimistisch, im April mit dem Bau anfangen zu können. "Ich gehe davon aus, dass es zu finanzieren ist." Ursprünglich war der Baubeginn bereits für diesen Herbst angekündigt worden. Die Verzögerung wurde jetzt mit Planungsänderungen und Feinabstimmungen begründet, die viel Zeit in Anspruch genommen hätten.