Wo starke Eltern Kräfte tanken

Evangelischer Pressedienst (epd)

Das Kinderhospiz "Löwenherz" feiert sein einjähriges Bestehen

Syke/Kr. Diepholz (epd). Bis vor einem Jahr führte Senel Celik mit ihrer Familie ein unbeschwertes Leben. Doch plötzlich konnte ihre heute dreijährige Tochter Ilayda nicht mehr laufen und nicht mehr selber essen. Die Ärzte kamen zu einer niederschmetternden Diagnose: Ilayda leidet unter einer genetisch bedingten, nicht heilbaren Stoffwechsel-Erkrankung. "Für uns ist die Welt untergegangen", erzählt die Mutter. Seit zwei Wochen ist sie mit Ilayda zu Gast im Kinderhospiz "Löwenherz" in Syke bei Bremen.

Das Hospiz, Niedersachsens erste Einrichtung dieser Art, blickt am 2. Oktober mit einer Feier auf das erste Jahr seines Bestehens zurück. Rund 70 Familien haben sich bisher in dem hellen Haus am Waldrand für bis zu vier Wochen von der anstrengen Pflege ihrer todkranken Kinder erholt und neue Kräfte getankt. Acht Zimmer stehen zur Verfügung, dazu Elternzimmer. Die Flure sind sonnig gelb gestrichen. Ilayda wohnt im Zimmer "Meeresbrise": Fußboden und Wände sind blau marmoriert, an den Wänden hängen Bilder.

Sie schläft in einem höhenverstellbaren Bett aus Buchenholz, darüber ein weißes Moskitonetz mit Goldsternen. "Nichts soll an ein Krankenhaus erinnern", sagt Hospiz-Leiterin Gaby Letzing. Sichtlich wohl fühlt sich Ilayda im "Snoezelraum", der die Sinne anregt. Ein Wasserbett, Lichteffekte und Musik: "Sie spielt mit einer Lichterkette und lacht", erzählt die Mutter. Vor dem Einschlafen badet sie gern in dem 37 Grad warmen Whirl-Pool: "Was sie früher an Bewegungen konnte, kommt im Wasser wieder. Inzwischen schläft Ilayda nachts wieder durch.
Zu Hause in Hannover kam Senel Celik zwischen Kochen, Füttern und Arztterminen kaum zu sich selbst. Oft muss sie Ilayda tragen und ihre verschmutzen Kleider wechseln. Im Kinderhospiz kann sie die Pflege geschulten Kinderkrankenschwestern anvertrauen: "Sie gehen auf die Kinder ein wie eine Mutter." So kann sie guten Gewissens einmal spazieren gehen oder einfach nur mit ihrem Mann zusammensitzen, der am Wochenende ins Hospiz kommt.

Die aus der Türkei stammenden Eltern sind verzweifelt, weil sie erst vor acht Wochen ihre jüngere Tochter Sila verloren haben. Sie litt unter der gleichen Krankheit wie Ilayda und starb im Alter von 16 Monaten im Krankenhaus. Senel Celik kann es immer noch nicht richtig fassen: "Ich hätte sie so gern noch in den Arm genommen und mit ihr gekuschelt. Manchmal frage ich mich: Ist sie wirklich gestorben oder nur verreist?"

Im Kinderhospiz will sie sich symbolisch noch einmal von Sila verabschieden - im Abschiedsraum, der etwas abseits am Ende eines Ganges liegt. Die Wände fliederblau, über dem Bett ein Bild mit zwei Menschen, die hellem Sonnenlicht entgegengehen. Drei Kinder wurden im Kinderhospiz bisher bis zum Tod begleitet und hier aufgebahrt. Auch manche Eltern, deren Kind nach der Zeit im Kinderhospiz gestorben ist, lassen es bis zur Bestattung in dem klimatisierten Raum aufbahren, um Abschied zu nehmen.

"Die Eltern kommen mir oft vor wie Löwen, die mit löwenmäßigen Kräften um ihr Kind kämpfen", sagt Hospiz-Leiterin Gaby Letzing. "Damit sie stark bleiben, bieten wir Ihnen Hilfe an."
(Internet: www.kinderhospiz-loewenherz.de) (epd Niedersachen-Bremen/b2779/23.09.04)
Hierzu hat epd-bild das Foto "Kinderhospiz" über mecom-Bildfunk (www.datenbank.mecom.de) verbreitet, auch abrufbar unter Tel.: 069/58098-197