Viel schöner als in einem Krankenhaus

Weser Kurier

Mehrere hundert Besucher von der freundlichen Atmosphäre im Kinderhospiz "Löwenherz" beeindruckt

Syke. Ein kurzer Blick ins Abschiedszimmer - das reicht Bianca Schnepf und ihrer Tochter Fabienne (11) aus Stuhr. "Es ist doch ein etwas mulmiges Gefühl. Man ist berührt und fühlt mit den betroffenen Eltern", sagt die Mutter im Rausgehen. Sie ist eine von mehreren hundert Besuchern, die gestern aus Anlass des einjährigen Bestehens zum "Tag der offenen Tür" ins Kinderhospiz "Löwenherz" nach Syke gekommen sind.

Viel habe sie schon von "Löwenherz" gehört, berichtet Monika Schaaf aus Barrien. Nach einem Rundgang durch die hellen, warmen und freundlich eingerichteten Krankenzimmer zeigt sie sich fasziniert und begeistert. "Ich möchte das Projekt unterstützen. Ein schweres Schicksal kann schließlich jede Familie treffen. "Lob von Anke und Joachim Sinn aus Weyhe gibt es für die Einrichtung: "Das ist alles so liebevoll und lebensbejahend gestaltet."

Mehr als 70 Familien mit todkranken Kindern, das erfahren die Besucher, fanden im ersten Jahr Aufnahme im Kinderhospiz. Sie wurden bis zu vier Wochen in den vor allem mit Hilfe von Spenden finanzierten Einrichtung betreut, die die erste ihrer Art in Niedersachsen und Bremen ist. Drei der vom Hospiz begleiteten Kinder starben bislang.

Über die Arbeit der 40 hauptamtlichen Mitarbeiter informiert eine Diaschau in der "Kleinen Oase". Kinder an Schläuchen, mit Sauerstoffmasken oder im Rollstuhl sind da untermalt von den leisen Klängen des aufmunternden "Löwenherz" -Liedes von Konstantin Wecker zu sehen. Um auch den Pflegebereich zeigen zu können, hat Hospizchefin Gaby Letzing für den Aktionstag einen Termin gewählt, an dem sich keine kleinen Patienten im Haus aufhalten. Die kommen nächste Woche, kündigt Letzing an: "In den Herbstferien sind wir ausgebucht."

Wie lange gibt es schon Kinderhospize in Deutschland und wie viele ehrenamtliche Helfer hat "Löwenherz"? Mit Fragen werden die Mitarbeiter regelrecht überhäuft. Sie antworten geduldig, dass vor drei Jahren das erste Hospiz dieser Art in Olpe eröffnet wurde. Und "Löwenherz" wird zurzeit von 180 Ehrenamtlichen unterstützt. Der Trägerverein zählt bereits mehr als 900 Mitglieder, Tendenz stetig steigend. Als prominente Förderin hat Schauspielerin Jeanette Rauch ("Traumschiff", "Großstadtrevier" und demnächst auch "Alphateam") die Schirmherrschaft übernommen. Zur Freude eines Fernsehteams schenkt sie an diesem Tag für "Löwenherz" Gulasch -und Bohnensuppe aus.

Maskottchen Maximilian Löwenherz begrüßt die Gäste, darunter auch viele Kinder. Staunend blickt die zehnjährige Lena Lemcke aus Moordeich in die Krankenzimmer. "Mir ist aufgefallen, dass alle Betten einen Himmel haben. Das find' ich toll." Und auch die elfjährige Fabienne aus Stuhr ist beeindruckt. "Das ist hier viel schöner als in einem Krankenhaus."