Für das Lachen der Kinder

Kreiszeitung Syke

Mark Hagel leistet Zivildienst im Kinderhospiz Löwenherz / "Schule fürs Leben"
Von Michael Krüger

Syke - Das Wichtigste sei Zuhören - sagt Mark Hagel und gerät ohne zu stocken ins Schwärmen und Erzählen. Minutenlang. Wenn der 20-jährige von seinem Zivildienst im Syker Kinderhospiz Löwenherz berichtet, strahlt er übers ganze Gesicht. Eine Eigenschaft, die er von den ungebrochen heiteren kleinen Patienten übernommen zu haben scheint.

"Natürlich ist nicht alles immer toll gewesen", gibt Hagel zu bedenken. Das Leben im Hospiz könne sich der harten Realität nicht immer entziehen. Trotzdem: Die Erfahrungen, die er in den zurückliegenden neun Monaten seiner Tätigkeit gemacht hat, möchte der Syker nicht missen. "Es gibt eben gewisse Situationen, mit denen du als junger Mann aus einem behüteten Elternhaus nicht konfrontiert wirst", sagt Hagel. Krankheit, Leiden, Tod - als Hagel nach seinem Abitur ins "kalte Wasser" geworfen wurde, waren da zunächst einige Berührungsängste. "Ich hatte mich ja aber bewusst für die Stelle entschieden. Wehrdienst stand für mich nie zur Debatte, drücken wollte ich mich nicht - auch wenn das heute durchaus möglich ist", erzählt der Syker. Er wollte etwas Sinnvolles leisten - und wurde der nunmehr dritte Zivi in der Einrichtung.

"Bei uns gibt es viel zu lernen. Weniger Physik und Mathe, dafür aber ein ganzes Stück Lebenserfahrung. Man lernt hier Mensch-Sein", verspricht Hospizleiterin Gaby Letzing. Bei Hagel selbst klingt das ähnlich: "Das ist für mich die Schule des Lebens. Man lernt nicht nur etwas über seine Mitmenschen, sondern auch viel über sich selbst." Eine Arbeit mit Distanz sei im Hospiz nicht möglich. Hilfe im Pflegedienst, Mitarbeit in der Verwaltung, Botengänge, Hausmeister-Tätigkeiten und manchmal auch in positiver Hinsicht "Pausenclown" für die Kids: Die Arbeit als Zivi im Löwenherz sei ebenso vielfältig wie prägend. "Wir sind hier ein großes Team, da muss jedes Rad ineinander passen - selbst das kleinste, der Zivi", meint Hagel. Als "Mädchen für alles" steht er den 40 Mitarbeitern der Einrichtung hilfreich zu Seite. Teamarbeit zum Wohle der Kinder, die Hagel auch als gute Grundlage für seine kommende Ausbildung bei der Dresdner Bank sieht.

Auch wenn seine eigene Zukunft in eine andere Richtung verlaufen soll, hat er vor der Arbeit seiner Kollegen großen Respekt: "Die Leute leben, was sie tun: Sie arbeiten viel für wenig Anerkennung und noch weniger Geld", sagt Hagel. Der größte Lohn sei aber eh für alle das kleine Glück der Patienten. "Hier wird deutlich mehr gelacht als geweint, das ist alle Mühe wert", erzählt Hagel, für den nun im Hospiz ein Nachfolger gesucht wird. Auch ein zweite Zivi-Stelle ist noch unbesetzt. Infos gibt es unter Telefon 04242/5789-0.