„Verdienstkreuz gehört Ihnen“

Syker Kreiszeitung
Landkreis Diepholz


„Löwenherz“ – Chefin gestern mit seltener Auszeichnung geehrt / Freude, Rosen und Umarmungen

LANDKREIS (sdl) - Es war ihre Idee, ihr Engagement, ihr Leid“, das Gaby Letzing in Familien mit schwerstkranken Kindern erlebt habe. Davon war Landrat Gerd Stötzel gestern überzeugt. Deshalb sei die Annahme der „Löwenherz“ –Chefin, das Niedersächsische Verdienstkreuz erster Klasse für alle „Löwenherzen“ in Empfang nehmen zu wollen, „grottenfalsch“. Mit den Worten „Dieses Verdienstkreuz gehört ganz allein Ihnen!“, gratulierte der Landrat der 44-Jährigen zu der seltenen Auszeichnung.

Der Niedersächsische Verdienstorden gilt als weitaus seltenere Auszeichnung als das Bundesverdienstkreuz. Der Weg, der zu dieser Wertschätzung führte, war „ungewöhnlich, wie alles was mit ,Löwenherz’ zu tun hat“, erklärte Stötzel gestern im Syker Rathaus vor rund 60 Gästen – schon lange klopfenden „Löwenherzen“ und Mitarbeitern des Kinderhospizes.
 
Rhythmisch offerierte die Gruppe „Tozali awa“ ihr musikalisch-afrikanisches „herzlich Willkommen“, zog ihre Zuhörer genauso mit einem lebensfrohen Lied über die Freude in ihren Bann; ungewöhnlich für eine Ordensübergabe, der – eben – so ungewöhnlich – kein jahrzehntelanger, breit gefächerter ehrenamtlicher Einsatz voraus gegangen war, sondern eine Idee, aus der eine Bürgerbewegung entstanden sei, wie Landrat Gerd Stötzel gestern feststellte: „Die Menschen fühlen sich dem Projekt sehr verbunden.“
 
Heute finden Familien mit schwerstkranken und sterbenden Kindern im Hospiz an der Straße „Siebenhäuser“ in Syke Unterstützung, Entlastung, Trost und Zuwendung.

In seiner 32-jährigen kommunalen Tätigkeit habe er noch nie eine vergleichbare Leistung erlebt, sagte der Landrat. Er erinnerte daran, dass Gaby Letzing 1989 den Kinderkrankenpflegedienst „Krank und klein, bleib daheim“ gegründet habe. Eltern von schwerstkranken und sterbenden Kindern helfen: Mit einer Vision und ohne eine Mark in der Tasche habe Gaby Letzing Vorträge gehalten, Überzeugungsarbeit geleistet, Sponsoren gesucht. Sie habe die Themen Kinder und Tod miteinander verknüpft und sie aus dem Tabu-Bereich in die Öffentlichkeit geholt.

Die 44-jährige habe eine „wunderbare Geschichte geschrieben“, lobte Sykes Bürgermeister Dr. Harald Behrens. Schmunzelnd blickten die Zuhörer darüber hinweg, dass Behrens ein „n“ zu wenig benutzte („Liebe Frau Letzig“) und der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Heinfried Schumacher eines zu viel („Sehr geehrte Frau Lentzing“).

Für die seltene Auszeichnung vorgeschlagen hatte die „Löwenherz“ – Chefin seinerzeit dessen Landtagskollege Günter Schlüterbusch. Für den mittlerweile verstorbenen Politiker zündete Gaby Letzing gestern eine Kerze an. Die 44-Jährige bedankte sich bei allen ihren Weggefährten, von denen viele zu Freunden geworden seien, gestern auf eine ganz persönliche Art. Sie bekamen eine rote Rose überreicht. „Rosen duften, und manchmal pieksen sie auch ein bisschen“, so die „Löwenherz“ – Chefin. Manchmal müsse man auch ein wenig „pieksen“, um für eine gute Idee einstehen zu können und zu wollen.

Herzliche Umarmungen gehörten gestern zum offiziellen Teil – und immer wieder Metaphern. Das Kinderhospiz sei aus einem kräftigen Samenkorn entstanden, blickte Heidi Schroeder vom „Löwenherz“ – Vorstand auf Gaby Letzing, und zu einer großen, kräftigen Pflanze heran gewachsen.