Elternurlaub vom anstrengenden Alltag

Weser Kurier

Übersee-Museum und Partner wollen künftig regelmäßig Kinder in bedrängten Lebenslagen einladen


BREMEN. Die kleine Katharina wird nie in fremde Länder reisen, ihr geht es oft schlecht. Das sieben Jahre alte Mädchen aus Braunschweig ist unheilbar krank. Gestern hat es trotzdem die Welt entdeckt, hat Zebras und Giraffen gesehen, Indianer und Wüstenbewohner.

Auf Einladung des Übersee-Museums weilte Katharina mit ihrer Familie und anderen Bewohnern des Kinderhospizes "Löwenherz" in exotischen Welten. Dort sah sie dann, wie die Tiere und Menschen in Afrika leben. Das ausgestopfte Zebra hätte sie am liebsten mitgenommen. Das würde Hartmut Roder nicht so gut gefallen, sonst zeigte sich der Mann vom Übersee-Museum im Namen seines Hauses großzügig. Den Gästen aus Syke, wo "Löwenherz" seit zwei Jahren ein Zuhause hat, wurde gestern ein schöner Tag in Bremen bereitet. Es waren aber nicht nur Roder und Andrea Müller - auch sie Mitarbeiterin im Übersee-Museum - die für vergnügliche Stunden sorgten. Auch das "Cinemaxx" und das Restaurant "La Dolce Vita" waren gerne Gastgeber für die kranken Kinder und ihre Familien - und werden es zukünftig regelmäßig sein.

Und das alle drei Monate, verspricht Roder stellvertretend für alle vier Partner am Hauptbahnhof. Wenn im November ein SOS-Kinderdorf nach Bremen kommt, wird auch das Hotel Mercure seinen Beitrag leisten, weil die Gäste "durchaus auch in Bremen übernachten". Auf die Idee, regelmäßig Kinder in bedrängten Lebenslagen oder Verhältnissen einzuladen, ist Roder vor wenigen Wochen gekommen. "Da fiel uns auf, dass wir nichts aus sozialen Beweggründen machen", sagt er selbstkritisch.

Das soll jetzt anders werden. Wie gut das Engagement bei der Zielgruppe ankommt, zeigte sich beim Gang durch die Ausstellung des Übersee-Museums, wo leuchtende Kinderaugen in die Welt der Nomaden und Indianer eintauchten. "Dieses Angebot ist fantastisch", findet Jens Hannekum. Der Pädagoge, der die Familien im Kinderhospiz in Syke betreut, weiß um die Nöte der Betroffenen. "Wir wollen gerade die gestressten Eltern entlasten, machen öfter Tagesausflüge in die nähere Umgebung."

Die Räumlichkeiten des Kinderhospizes bieten Platz für acht Familien, die maximal 28 Tage im Jahr Urlaub vom Alltag bei "Löwenherz" machen können. Für diejenigen, die sich derzeit mit ihren kranken Kindern in der Obhut der Pädagogen befinden, war der gestrige Tag ein Höhepunkt. "Mit einem behinderten Kind, das rund um die Uhr auf medizinische Hilfe angewiesen ist, kann man nicht mal eben in die Ferien fahren", erklärt Holger Wilke. Katharina ist seine Pflegetochter, aber nicht die einzige, die die Aufmerksamkeit ihrer Eltern braucht. Deshalb sind ihre Brüder Stefan und Darius in Syke und Bremen mit dabei. Betreuer Hannekum kennt gerade die Nöte der Geschwister, "die wegen der Sorgen um das kranke Kind oft zu kurz kommen". Das galt gestern sowieso für niemanden. Nach dem Essen wartete eine Kinoführung, danach der Zeichentrickfilm "Madagaskar" auf die Gäste.