„Es gibt uns Mut für zu Hause“

Jan und Marvin spendeten gewonnenes Geld der Reittherapie vom „Kinderhospiz Löwenherz“
 
HALLSTEDT (mp). Wenn sie auf dem 17-jährigen Haflinger „Ali“ sitzt, krampft die fünfjährige Lena nicht, braucht 20 Minuten lang keinen künstlichen Sauerstoff, ihr Puls geht herunter. „Sie entspannt sich total“, sagt ihre Mutter Barbara Schulze. Dafür, dass sterbenskranke Kinder regelmäßig zur „Hippotherapie“ können haben sich Jan Wullimann (9) und Marvin Keppel (10) stark gemacht.

Die beiden Bremer Schulfreunde hatten im Januar in der Fernsehsendung „Tabaluga tivi“ in München 418 Euro erspielt. „Dabei mussten wir unter anderem beantworten, wie die Könige in Ägypten hießen“, erzählt Jan, der vor der Aufzeichnung ganz schön nervös war. Für jeden erreichten Punkt gab es einen Euro – und das gewonnene Geld sollte einem guten Zweck zufließen. „Meine Oma hat vorgeschlagen, dass wir es dem ’Kinderhospiz Löwenherz’ spenden“, berichtet Marvin. „Das haben wir dann auch gemacht.“

Das Hospiz investiert dieses Geld in das therapeutische Reiten, zu dem einmal wöchentlich drei Kinder zum Reitstall „Crazy Horse Ranch“ von Ilka Heinrich in Hallstedt gebracht werden.

Dort übergaben gestern die Jungen ihren Scheck an Jens Hannekum, pädagogischer Mitarbeiter des Hospizes. Und sie konnten sich anschauen, wie ihre Spende eingesetzt wird. Kilian, Tom und Lena – drei Kinder aus dem Hospiz – durften nacheinander vor Hippotherapeutin Ilka Heinrich im Sattel von Haflinger „Ali“ Platz nehmen. Damit alle sicher auch von ihrem Rollstuhl aus auf den Pferderücken gelangen, steht vor der Reithalle eine Hebebühne bereit. Geführt von Helferin Dana Drews ging es jeweils 20 Minuten durch die Reithalle. „Die Kinder sollen dabei locker lassen, viele von ihnen haben Spastiken“, erläutert Ilka Heinrich. Während des Reitens auf dem geduldigen „Ali“ redet sie mit ihren kleinen Patienten.

Dass Lena von den sanften Bewegungen und der Nähe zum Pferd profitiert, stellt ihre Mutter immer wieder fest: „Zwei bis drei Tage nach dem Reiten liegt sie immer viel entspannter“, berichtet Barbara Schulze, die aus der Nähe von Hannover kommt. Nicht nur für Lena, auch für ihre Eltern sei der Besuch in Hallstedt wichtig. „man kann sich mit anderen Eltern über die Krankheitsbilder der Kinder und anderes austauschen. Das ist schön, aber man muss es aushalten können.“ Dennoch: „Es gibt uns Mut für zu Hause.“

Auch Jens Hannekum ist von der positiven Wirkung der Reittherapie überzeugt. „Wir haben zum Beispiel zwei Kinder mit einem Gendefekt, die momentan hyperaktiv sind. Sobald sie auf dem Pferd sitzen, sind sie wie ausgewechselt.“

Das Hospiz wolle möglichst vielen Familien das Reiten ermöglichen. „Mit dem Geld von Marvin und Jan können wir fast ein Jahr lang zum Reiten fahren“, freute er sich. Und auch die beiden Bremer waren sich am Ende der Reitstunde sicher, dass ihre Spende gut angelegt ist: „Das war die richtige Entscheidung“, meinten sie einstimmig.