Mit der Diagnose beginnt der Trauerprozess

Pastor referierte über das Sterben im Kinderhospiz
 
Ahausen .  (r/gm). "Wünschenswert wäre es, wenn es in jedem Bundesland zumindest eine Einrichtung dieser Art geben würde“. Das konstatierte Jörg Sbrisny im Rahmen der Vortragsreihe der Heilpädagogischen Einrichtungen der Lebenshilfe. In der Heilpädagogischen Kindertagesstätte in Ahausen referierte der Seelsorger über das "Leben und Sterben im Kinderhospiz Löwenherz“.

Löwenherz, eins von mittlerweile sieben Kinderhospizen in der Bundesrepublik, feiert in diesen Tagen sein vierjähriges Bestehen. Seit 2003 haben 220 Familien mit ihren schwerstkranken Kindern das Haus aufgesucht, das ihnen bis zu vier Wochen im Jahr Entlastung bietet, indem die Pflege und Betreuung des kranken Kindes übernommen werden. Maximal acht Kinder mit ihren Familien können sich zeitgleich im Hospiz aufhalten. Die Atmosphäre ist familiär.

Allerdings: "Der Weg zum Hospiz ist für Eltern mit einem schwerkranken Kind oft lang“, berichtete Sbrisny. "Wenn sie erfahren, dass ihr Kind sterben wird, tritt die größte emotionale Katastrophe ein, die sich eine Mutter oder ein Vater vorstellen können. Oft wird die schmerzende Tatsache bewusst oder unbewusst verdrängt oder verschwiegen.“ Dennoch beginne bereits mit der Diagnose der Trauerprozess. Eltern, die mit ihren Kindern zu Löwenherz kämen, hätten schon einen ersten großen Schritt in der Annahme ihrer Trauer geleistet.

Weil Männer anders als Frauen trauern, bietet Löwenherz speziell für Väter gemeinsame Wochenenden an. "unternehmen Radtouren oder fahren in den Hochseil-Garten, denn Männer kommen schneller in emotionalen Kontakt zu anderen Männern und auch zu sich selbst, indem sie etwas miteinander tun“, weiß der Referent.

Pastor Sbrisny hat beobachtet, dass Geschwisterkinder und die erkrankten Kinder selbst oft über die besten Bewältigungsstrategien im Umgang mit Sterben und Tod verfügen: "Jedes schwerkranke Kind ist weise – unabhängig vom Grad der Behinderung. Die kranken Kinder finden den richtigen Zeitpunkt zum Sterben. Sie benötigen dazu aber auch die Erlaubnis ihrer Eltern. Eine Erlaubnis aus dem Herzen, nicht aus dem Kopf.“

Bestimmte Rituale und Symbole seien sowohl für die Eltern als auch für die kranken Kinder in der Phase des Abschiedes wichtig. "Die Kinder brauchen eine innere Vorstellung von dem, was auf sie zukommt, wenn sie sterben. Sie brauchen ein gemeinsames, mit den Eltern verbindendes, inneres Bild oder Symbol. Das Abschiedssymbol im Kinderhospiz Löwenherz ist der Schmetterling als Zeichen der Verwandlung.“

Ziel der Löwenherz-Mitarbeiter sei es, die Familien in ihrem Trauerprozess zu begleiten und die Eltern zu unterstützen, den Weg des Kindes mitzugehen. "Eltern sollen dabei möglichst viel Handlungsfähigkeit erhalten. So dürfen sie, wenn sie möchten, ihr verstorbenes Kind selber waschen, anziehen und in den Abschiedsraum im Hospiz tragen“, so Sbrisny. Der Tod könne auf diese Weise besser begriffen und angenommen werden.

Sbrisny betonte, dass Eltern, die ihr Kind verlieren, unendlich viel Raum und Zeit benötigen. Zeit, um die einzelnen Trauerphasen zu durchleben und den Schmerz zuzulassen. Die Trauer um das eigene Kind vergehe nie, doch verändere sie sich im Laufe der Jahre. "Was bleibt, ist die immerwährende Liebe“, hat Sbrisny durch seine Tätigkeit erfahren.