Ein Stück Freiheit auf drei Rädern

Quelle: nw-news.de 21.07.2008
VON PATRICK MENZEL

Triker-Gemeinschaft "Spirit of Nature" trifft sich am Autohof / "Für zwei Räder zu blöd - für vier zu arm"

Bünde. Ellenlange verchromte Federbeine, die sich schräg in die Höhe recken, und noch längere Lenkergabeln, die sich rechts und links verlieren. Dazu ein Sitz wie auf einem Pferdesattel, ein Rad vorn, zwei hinten, ein bullernder Motor, und rundum weht die Fahrtluft um die Nase: Für Herbert Herrmann ist das richtige Trike-Gefühl ein Stück Freiheit auf drei Rädern.

"Als Kind spielt man mit dem Dreirad, und das lässt einen nicht wirklich los. Das Trike ist das Spielzeug des Kind gebliebenen Mannes", beschreibt er seine Leidenschaft. Seit rund 15 Jahren ist Herbert Herrmann mit seinem dreirädrigen Motorrad unterwegs. "Damals war ich so ziemlich der einzige Triker in der Region", erinnert sich der Rödinghauser, dessen Traum ein eigenes motorisiertes Dreirad war, seit er den Film "Easy Rider" gesehen hatte.

Und mit seinem Hobby steht er nicht allein dar. Seit elf Jahren gibt es in OWL und der Nachbarschaft eine Clique, die dem besonderen Fahrgefühl dieser "Schlitten" verfallen ist: Die Trike-Freunde "Spirit of Nature". Sie sind kein Club oder Verein, sondern eine Interessengemeinschaft. "Wir wollen flexibel sein, alles beruht auf Freiwilligkeit", erzählt Klaus Illi. Etwa einmal im Monat treffen sich die Triker mit ihren PS-starken Dreirädern zu Ausfahrten. So wie am Samstag. "Heute geht’s zum Mittagessen nach Rheine", verrät Herbert Herrmann, ehe er den Zündschlüssel umdreht, die 84 Pferdchen im Heck frei lässt und davon braust.

Ab 10.000 Euro sind die Gefährte, die vor rund 20 Jahren den Weg aus den USA nach Europa fanden, zu haben. Nach oben gibt es kein Limit. "Die meisten sind aber Unikate", wissen Herbert und Klaus, weil die Fahrer aus den 1,80 Meter breiten und 1,40 Meter hohen Stahlkarossen farbenprächtige, blitzende und aufgerüstete High-Tech-Schau-Maschinen nach eigenem Geschmack machen, mit denen man viel sehen kann, aber gern auch gesehen werden will.

Von 34 PS angefangen bis zu 200 Pferdestärken bringen die Kraftpakete auf die Straße, auch 200 Kilometer pro Stunde in der Spitze sind möglich. Doch der richtige Triker will nicht rasen, sondern vielmehr gemütlich cruisen. "Wir brauchen keine Rambos und keine Spinner - wer Rasen will, ist bei uns fehl am Platze", sind sich Herbert Herrmann und Klaus Illi einig. Und warum sie nicht Motorrad oder Cabrio fahren, auch dafür haben die beiden Vollblut-Triker eine simple Erklärung: "Für zwei Räder sind wir zu blöd, für vier Räder zu arm."

Angefangen hat alles 1995, als der Meller Klaus Illi mit zwei Triker-Freunden durch die Gegend fuhr. Nach und nach kamen immer mehr Triker dazu. Bis zu 16 unternehmen jetzt regelmäßig Tagestouren oder bieten bei Ausstellungen Rundfahrten an. Auch für gute Zwecke: beim Country und Western-Weekend vom 1.-3 August in Melle-Bulsten oder beim Benefiz-Trike und Country-Weekend vom 13.-14. September am Bürgerschützenhaus in Melle-Bakum. Bei beiden Veranstaltungen sammeln die Triker Geld für das Kinderhospiz "Löwenherz".