Ein „Washtae“ den Besuchern

Quelle: Sonntags-Tipp 20.Juli 2008

Trapperfest zu Gunsten „Löwenherz

Stuhr (bt). Zwei Pferdeschwänze an den Stangen des Tipis von „Weiße Wolke“ und Häuptling „Der zuerst spricht“ verkündet allen, dass ihr Besuch willkommen ist. Zur Begrüßung heißt es freundlich „Washtae“, dann darf der Weiße Mann eintreten und staunen, wie gemütlich es in einem Tipi ist. Die beiden „Indianer“ aus München haben an diesem Wochenende auf der Chestnut-Farm unter einem Baldachin ihr Bett aufgeschlagen, vor dem ein offenes Feuer brennt. Der Rauch zieht aus der offenen Zeltspitze ab und verhindert durch seine Wärme, dass Regen ins Zelt fällt.

Der Schädel eines „Longhorn“ schirmt die Lagerstatt gegen das Feuer ab und drum herum stehen „Backrests“, mit Hirschleder und Fellen bespannte ebenerdige Sitzgelegenheiten. Von der Decke baumelt Indianerschmuck, ein Tomahawk, ein Brustpanzer aus Tierknochen und das Tanzkleid von „Weiße Wolke“, die in der Sprache der Dakotaindianer „Sanyella Mophia“ heißt. „Der zuerst spricht“ trägt aus Hirschleder gefertigte und mit bunten Glasperlen bestickte Leggins, eine Jacke und Mokassins. Gegen die Kälte trägt die „Squaw“ einen „Capote“, einen Mantel aus Wolldeckenstoff.

Günter und Manuela Schenk aus München sind nicht die einzigen Bewohner auf der Chestnut-Farm. Zehn Tipis stehen dort etwas getrennt von den Hütten der Cowboys, Ranger, Trapper und Siedler. Sogar einen „Judge“ (Friedensrichter) gibt es in der Westernstadt, der heute zwischen 12 und 12.30 Uhr auch nach Westerntradition eine Trauung zelebriert und Ruhestörer für einige Zeit ins „Jail-House“ steckt.

Nebenan stehen der Planwagen und das Büro der „Arizona Ranger“. Thomas Altmann aus Falkenburg und seine Gruppe sind stolz darauf, offizielle Mitglieder der „Old Western Arizona Ranger Historical Society“ zu sein. Sie tragen Original-Kleidung, verfügen über Single-Action-Revolver und Unterhebel-Repetiergewehre, wie die aus Westernfilmen bekannten „Winchester“–Büchsen offiziell heißen. Sie repräsentieren die „Arizona-Ranger“, eine Truppe, die ab 1901 die Polizeigewalt verkörperte bis Arizona 1909 ein Staat der USA wurde.
 
Wer seinen „Winnetou“ und „Lederstrumpf“ gelesen hat, kann auch am heutigen Sonntag noch auf der Chestnut-Farm von Kerstin und Cord Preuß Wild-West-Romantik erleben. Nicht nur Kleidung und Accessoires sind originalgetreu nachgestaltet, die Bewohner verkörpern die Rollen, in die sie sich verkleidet haben und informieren über historische Hintergründe. Im „Saloon“ tanzen sie Line- und Square-Dances, spielen Hillbilly- und Country-Musik, singen und trommeln. Es gibt eine Country-Modenschau, Bogenschießen und Reitvorführungen mit Quarterhorses.
Die Akteure sind gern nach Gr.-Mackenstedt gekommen, denn alle Einnahmen aus dem Verkauf von Speisen und Getränken gehen „ungefiltert“ an das Kinderhospiz „Löwenherz“.