Erste Freiheit, erste Liebe

Quelle: newsclick.de 13.5.08
Von Iris N. Masson

Erfolgreiches Equorder Oldtimer Treffen – Erlös geht ans Kinderhospiz Löwenherz.

EQUORD. "Wie wollen Sie eine Reportage schreiben, wenn Sie keine Ahnung haben?", fragt Paul Schwenke, Besitzer eines Eifelroadsters Cabriolet Baujahr 1937. Er ist einer von mehr als 150 Teilnehmern des 1. Equorder Oldtimer Treffens.

Schon der Einstieg in diese mobile Kostbarkeit ist gewöhnungsbedürftig: Die Tür öffnet nach vorn. Zündung einschalten, Luftklappe ziehen, Anlasserzugknopf betätigen, und statt der Lichtmaschinenkontrolle leuchtet das Amperemeter auf. Der Motor vibriert, die Bremsgestänge klappern, "aber das ist normal", beruhigt der Maschinenbauer.

Die auf Hochglanz polierte Karosse wirkt solide, die Wirbelsäule weniger. Das Fahrerlebnis aber ist von besonderer Art. Intensiver so ganz oben ohne. Betörend duftet der Raps, überwältigend stinkt die Gülle. Beide mischen sich mit dem muffigen Geruch der alten Ledersitze.

"Mein Tacho deckt sich mit der digitalen Geschwindigkeitsanzeige", freut sich Schwenke am Ortseingang Rosenthal. Und die Passanten an dem historischen Fahrzeug. Schrottreif war es, als er es im Austausch gegen einen fahrbereiten VW-Käfer bekam. 2750 Reichsmark hat es ursprünglich gekostet, war eine im Kölner Werk von Ford gebaute Notlösung, als sein Vorgänger mit drei Liter Hubraum nach dem Börsencrash in den USA unrentabel wurde.

Anders das Treffen, dessen Erlös dem Kinderhospiz Löwenherz zugute kommt, wie Veranstalter Thomas Lietzmann verrät. Er ist glücklich über die "gute Resonanz trotz der kurzen Werbephase". Stolz präsentiert der Lahstedter seinen Borgward Isabella von 1957. Nur der Fachmann könne erkennen, "dass es sich um eines der ersten in Bremen gebauten Fahrzeuge handelt".

Bereits als Fünfjähriger wurde er mit dem Oldtimer-Virus infiziert; heute nennt er sieben historische Autos sein eigen. Sie stehen neben einem quietsch pinkfarbenen Cadillac (1958), Bugatti (1927), Porsche (1962). Über die Besucher wie Besitzer fachsimpeln, zudem in Erinnerungen schwelgen, die sie mit ihrem Fahrzeug verbinden: Erste Freiheit, erste Liebe. Außerdem: "Schließlich braucht jeder Mann was zum Spielen, und meine Frau findet es besser, wenn ich an meinem Adler Junior Trumph von 1939 schraube, als in der Kneipe zu hocken", sagt Dieter Olbrich – mit 79 Jahren selbst ein Oldtimer. Und ebenso gut erhalten.