Hospizdienst für ein schwer krankes Kind

Quelle: Hamburger Abendblatt 09.07.2008
Von Carolin Wöhling

Hospizdienst für ein schwer krankes Kind

Jesteburg/Syke - Keine leichte, aber eine erfüllende und schöne Aufgabe ist es, Menschen zu begleiten, die nur noch kurze Zeit zu leben haben. Diese Erfahrung hat Helga Oberthür aus Jesteburg gemacht, die seit zehn Jahren für den Ökumenischen Hospizdienst in Buchholz tätig ist. Seit einiger Zeit betreut sie auch erstmals eine Familie, die ein schwer krankes Kind hat.

Das Kinderhospiz "Löwenherz" in Syke bei Bremen hatte vor gut einem Jahr verschiedene Hospizdienste angeschrieben, um ehrenamtliche Mitarbeiter für ambulante Betreuung von Kindern zu gewinnen. Helga Oberthür meldete sich und absolvierte eine sechsmonatige Zusatzausbildung. Schon in dieser Zeit bekam sie Kontakt zu der Familie, die sie seither betreut. Die Eltern haben eine fünfjährige schwerstbehinderte Tochter. Das Kind ist bettlägerig und muss rund um die Uhr betreut werden. Den Eltern war sogar nur eine Lebenserwartung von etwa einem Jahr prognostiziert worden. Weil sich in der Familie so ziemlich alles um die pflegebedürftige Kleine dreht, hatte die zwei Jahre ältere Schwester es nicht einfach. Bis Helga Oberthür kam: Sie kommt jetzt alle 14 Tage zu Besuch, um sich mit der Siebenjährigen zu beschäftigen. "Ich bin ihr Oma, Tante, Freundin in einem", sagt die Jesteburgerin. Sie gibt dem Mädchen das Gefühl: Hier ist ein Mensch, der nur für mich da ist. Ob Hausaufgabenhilfe oder Ausflüge oder einfach nur spielen - Helga Oberthür ist für die Kleine da. Aber natürlich auch für die Eltern, die mit ihr über ihre Gefühle sprechen und Dinge anvertrauen, die untereinander unausgesprochen bleiben, aus Rücksicht auf den Partner. "Zum Glück ist es eine tolle Familie, die sehr viel Rückhalt auch bei Freunden und Verwandten hat"; sagt Helga Oberthür.

Zum Hospizdienst war Helga Oberthür gekommen, nachdem sie ihre eigene Mutter im Sterben begleitet hatte. Sie hatte dabei festgestellt, dass ihr diese Aufgabe liegt. Kurze Zeit danach erhielt sie Kontakt zu Mitarbeitern des Hospizdienstes, sie absolvierte die Ausbildung und ist seither an der Seite von todkranken Menschen. Durch die Erlebnisse hat sie selbst die Angst vor dem Tod überwunden. "Mein Glaube hilft mir dabei, ich bin sicher, dass es auch "danach" weitergeht", sagt sie. Die Hospizbewegung wolle daran erinnern, dass der Tod zum Leben dazugehört. "Den Menschen, die wir begleiten, wollen wir kein langsames Sterben, sondern bewusstes Leben bis zum Schluss ermöglichen", sagt die 58-Jährige, die auch einmal wöchentlich im Hospiz Nordheide arbeitet sowie weiterhin Erwachsene ambulant betreut.

Während bei Erwachsenen meist absehbar ist, ob demjenigen ein paar Tage oder ein paar Monate bleiben, weiß Helga Oberthür noch nicht, wie lange sie die Familie begleiten wird - denn niemand kann vorhersagen, wie lange ihr kleines Kind noch leben darf. "Aber die Eltern sind dankbar für jeden Tag, an dem die Kleine bei ihnen ist. Sie ist so ein fröhliches, liebes Kind."