Der Tod gehört zu ihrem Leben

Quelle: Westfalen Blatt, 17.12.2008

Schweizer Schauspielerin Janette Rauch hat ihre drei Brüder verloren

Von Christian Althoff

Sy k e (WB). Der Tod spielt eine ganz besondere Rolle im Leben der Schauspielerin Janette Rauch (46). »Deshalb war es wohl eine Fügung, dass ich irgendwann gefragt wurde, ob ich Schirmherrin des Kinderhospizes Löwenherz werden möchte «, sagt die Schweizerin.

Mit 39 Jahren habe sie eine große Leere gespürt, erzählt die Darstellerin (»Alphateam«, »Rote Rosen«), die in Bremen lebt. »Mir war bewusst geworden, dass die tollen Kleider, die ich mir gerne kaufe, das gute Essen, das ich so liebe, und die modernen Techniken, die ich wahnsinnig gerne nutze, von einem Tag auf den anderen nicht mehr zählen, wenn man nicht gesund ist.« Janette Rauch: »Ich wusste: Du musst etwas von Herzen tun, sonst gehst du kaputt.«

In dieser Zeit wurde Janette Rauch von einer gemeinsamen Freundin mit Gaby Letzing bekannt gemacht, die damals mit weiteren Mitstreitern in Syke das Kinderhospiz Löwenherz einrichten wollte. »Ich wusste sofort, dass es sich lohnen würde, sich für diese Sache zu engagieren«, erzählt die 42-Jährige. Denn sie hatte schon als Kind erfahren müssen, was es heißt, einen nahen Menschen zu verlieren. Janette Rauch war zwölf Jahre, als ein Bruder an einer Mandelentzündung starb. Drei Jahre später verlor Janette Rauch das zweite Brüderchen, das dem plötzlichen Kindstod erlag. Und als die Schauspielerin 44 Jahre alt war, musste sie von ihrem dritten Bruder Abschied nehmen, der an Krebs gestorben war. Auch sie selbst hatte schon mit dem Leben abgeschlossen: »Ich war im Dezember 2006 in Sri Lanka, als uns der Tsunami überraschte. Ich habe neun Stunden auf dem Dach eines Bungalows ausgeharrt und ständig mit einer zweiten Welle gerechnet, die mich in den Tod gerissen hätte.«

Janette Rauch hat lange gebraucht, um mit ihren Erlebnisse fertig zu werden. »Denn früher wurde nicht darüber geredet. Unsere Familie ging in den 70er Jahren nach dem Tod meiner beiden Brüder zur Tagesordnung über.« Heute hat die Schauspielerin ihre Geschichte verarbeitet. »Die Trauer hört zwar nie auf, aber sie verändert sich. Manchmal weine ich noch, aber da ist nicht mehr dieses große Drama.« Als Schirmherrin des Kinderhospizes trifft Janette Rauch immer wieder Eltern todkranker Kinder. »Das Wichtigste ist, Ihnen zuzuhören. Die wollen nicht meine Geschichte hören, sondern ihr Leid teilen.« Im Kinderhospiz Löwenherz würden die Familien »toll aufgefangen«: »Es ist kein reines Sterbehaus, sondern hierhin kommen Familien mit todkranken Kindern ja auch, um Kraft zu schöpfen«, erklärt die Schauspielerin. Auch die kranken Kinder blühten manchmal wieder auf: »Viele spüren genau, wie sehr ihre Eltern zu Hause mit der ständigen Pflege belastet sind und merken, dass das Leben im Löwenhospiz für alle einfacher ist.« Janette Rauch nutzt immer wieder Lesungen, Galas und Fernseh- Talkshows, um Spenden für das Kinderhospiz einzuwerben. »Es gibt viele Dinge, für die sich ein Engagement lohnt: die Natur, die Dritte Welt, alte und junge Menschen in unserer Nähe. Für mich ist es die Arbeit fürs Löwenherz, in der ich Erfüllung finde.«

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