Klaas hält alle auf Trab

Quelle: Westfalen Blatt, 03.12.2008

Unheilbar kranker Junge (2) schläft nur ganz selten

Von Christian Althoff

Syke (WB). Klaas ist erst zwei Jahre alt. Aber er hat die Hälfte seines Lebens schon hinter sich. Großmutter Heide Vollmer (62) aus Visselhövede ist mit dem Jungen für ein paar Tage ins Kinderhospiz Löwenherz gekommen, um ihre Schwiegertochter zu entlasten. »Thekla kümmert sich Tag und Nacht um den Jungen. Sie braucht mal eine Auszeit«, sagt die 62-Jährige. Sie hält den blonden Jungen in den Armen, weil er dann am ruhigsten ist und weniger Krämpfe hat.

Als Klaas zwei Tage alt war, hatten Ärzte die seltene Krankheit PCH-2 festgestellt. »Sein Kleinhirn ist nicht richtig ausgebildet und entwickelt sich zurück «, sagt die Großmutter.

Mit seinen zwei Jahren ist der Junge geistig und körperlich auf dem Stand eines Säuglings, und es geht ihm schlecht. Mutter Thekla Vollmer (33): »Klaas kann nicht richtig schlucken, und wird deshalb über eine Magensonde ernährt. Er ist sehr unruhig, schlägt oft unwillkürlich um sich und hat Spastiken.

« Besonders belastend für die Eltern ist, dass ihr Sohn trotz beruhigender Medikamente höchstens vier Stunden schläft. »Wir müssen zweimal in der Nacht raus, um Klaas Tee und Arznei zu geben und ihn herumzutragen, bis er wieder schläfrig ist«, sagt die Mutter. Deshalb sei es ein Segen, dass es das Hospiz Löwenherz gebe. »Wir sind in diesem Jahr schon zweimal mit Klaas und seiner Schwester Jule dort gewesen«, erzählt Thekla Vollmer. »Endlich mal ein paar Nächte ohne Babyphon! Da konnten mein Mann und ich mal ausschlafen, und auch unserer sechsjährigen Tochter hat es toll gefallen.« Jule habe dort mit anderen Geschwisterkindern gespielt, sei Reiten gewesen und habe auf einem Wasserspielplatz getobt. »Es ist einfach toll, wie sich die Löwenherz-Mitarbeiter um die ganze Familie kümmern! «, sagt die Mutter.

Für Thekla Vollmer ist es das Schönste, wenn sie Klaas auf den Armen hält, er sie ansieht und dann für einen kurzen Moment lächelt. »Das passiert so selten, dass ich mich jedesmal riesig freue«, sagt die 33- Jährige. Wie lange sie diese seltenen Augenblicke noch erleben kann - Thekla Vollmer hat nur eine vage Ahnung: »Die meisten Kinder mit PCH-2 sterben im Kindergartenalter. Wir haben im Hospiz eine Familie kennengelernt, deren Tochter fünf Jahre geworden ist.

« Jule weiß, dass ihr kleiner Bruder nicht alt wird, aber sie kommt nach Einschätzung ihrer Mutter damit zurecht: »Sie ist trotz allem ein fröhliches Mädchen. Wenn wir sie nicht hätten, dann gäb's in unserem Leben überhaupt nichts zu lachen.« 

 

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