Kristin ist glücklich in ihrer Welt

Quelle: Westfalen Blatt, 26.11.2008

18-jähriges Mädchen mag die vielen Farben im Kinderhospiz Löwenherz

Von Christian Althoff

G r o n a u (WB). In drei Wochen wird Kristin 19 Jahre. Ein Alter, das die meisten Menschen mit Kristins Krankheit nicht annähernd erreichen. »Viele sterben vor der Geburt oder in den ersten Monaten«, sagt Mutter Ursula Elbers (50) aus Gronau. Kristin leidet unter Trisomie 18, einem seltenen, unheilbaren Gendefekt, der mit zahlreichen Schäden wie Herzfehlern, Zysten im Gehirn, dem Fehlen einzelner Knochen oder Fehlbildungen der Nieren und des Magen-Darm- Traktes einhergehen kann. »Nach der Geburt sagte der Arzt zu uns: Nehmen sie ihr Kind zum Sterben mit nach Hause. Denn 90 Prozent dieser Kinder überleben das erste Jahr nicht«, erinnert sich Ursula Elbers. »Umso mehr freuen wir uns, dass wir Kristin nun schon so lange bei uns haben.« Zur Zeit ist das todkranke Mädchen mit seiner Großtante Gertrud Hirsch (75) für eine Woche im Kinderhospiz Löwenherz in Syke zu Besuch. »Die kümmern sich hier ganz toll um meine Großnichte! «, sagt »Tante Gertrud«, wie sie hier liebevoll von anderen Familien und den Hospizmitarbeitern genannt wird. Gertrud Hirsch ist zum zweiten Mal mit Kristin hier, um den Eltern Ursula und Ralf Elbers eine Auszeit zu verschaffen: »Die sind für eine Woche an der See, um mal wieder aufzutanken«, sagt die 75-Jährige. Denn Kristins Pflege ist ein Vollzeit-Job. Selbst nachts müssen die Eltern immer wieder nach Kristin sehen, weil das Mädchen schwere Krämpfe hat und die Gefahr besteht, dass es seine Zunge verschluckt und erstickt. Im Kinderhospiz ist »Tante Gertrud « das vertraute Gesicht für die 18-Jährige: »Ich muss die ersten Male dabeisein, wenn eine Krankenschwester Kristin füttert. Danach hat sie dann Vertrauen gefasst, und ich kann mich zurückziehen. « Gertrud Hirsch hat ein Zimmer im ersten Stock des Hospizes, die Zimmer der kranken Kinder liegen im Erdgeschoss. »So wird man nicht wach, wenn sich die Krankenschwestern nachts um die Kleinen kümmern«, sagt die 75-Jährige. »Kristin liebt die bunten Farben, in denen das Kinderhospiz gestrichen ist«, sagt ihre Mutter. »Und sie ist so gerne im Snoezelraum. « In diesem Zimmer können die schwerkranken Kinder auf einem warmen Wasserbett liegen, während in einer wassergefüllten Plexiglassäule Luftblasen blubbern und bunte Lichtstrahlen langsam über die Wände streichen. »Das ist spannend für unsere Tochter, die mit ihren Augen immer alles genau verfolgt«, sagt Ursula Elbers. Kristin kann nicht sprechen, aber ihre Mutter ist sicher: »Sie ist glücklich in ihrer kleinen Welt. Sie hat das Leben ja nie anders kennengelernt.«

 

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