Wie in einer anderen Welt ...

Quelle: Kreiszeitung 21.07.2008

 "Löwenherz"-Party brachte Trapper und Indianer auf der Chestnutfarm in Stelle friedlich zusammen

STELLE (ak) "Löwenherz im wilden Westen" war Motto des ersten Trapper- und Indianerfestes auf der Chestnutfarm in Stelle. Zugunsten des Syker Kinderhospizes hatten zahlreiche Gruppen mit rund 100 Akteuren am Wochenende auf dem Pferdehof von Kerstin und Cord Preuß ihre Zelte aufgeschlagen.

Obwohl das offizielle Programm mit Westernstadt und Indianerdorf erst am Sonnabend startete, waren viele Hobby-Siedler, Trapper und Indianer bereits einige Tage zuvor angereist. So auch Stina Dziewas aus Hanstedt. Sie schlief trotz der schlechten Wetterlage in ihrem regendichten Zelt. Das wurde von einem kleinen Kanonenofen beheizt, Koffer und Kisten standen auf Bohlen. Nur der neue "Dutch-Ofen" zeigte hinsichtlich der Regenmassen seine Grenzen beim Brotbacken.

"Dutch-Ofen bedeutet nicht, dass er aus Holland stamt", wies der Fachmann der amerikanischen Historie, August Baro aus Thedinghausen, auf ein eher deutsches Produkt Mitte des 19. Jahrhunderts hin. Pralles Geschichtswissen steckte unter allen Trapperkostümen und Indianergewändern. "Alles handgemacht", verriet Hobby-Indianer Lothar Rainer aus Schaumburg/Lippe. Er stickt besonders gerne die Indianerperlen auf die möglichst historisch gehaltenen Kleidungsstücke. Einen Anschleichtanz als traditionellen Männertanz zeigte Hartmut Felber im Indianerdorf. Er beeindruckte besonders mit seinem Schmuck aus echten Adlerfedern. Leiser Trommelwirbel aus den Händen der Squaws begleitete seine Vorbereitungen zum Pferdetanz, der sich allerdings unfreiwillig zum Regentanz entwickelte. Sicherlich wäre ein Kanu im Gepäck für den Abend praktisch gewesen, denn die norddeutsche Wetterlage war nicht so sehr nach dem Geschmack der Rothäute. Friedensrichter "Judge F.A. Cash", mit bürgerlichem Namen Fred Kasch, konnten Blitz und Regenmassen indes nicht erschüttern. Manuel und Iris sowie Jens und Tatjana traten vor seinen Traualtar im "Wedding Office". "Da sind tatsächlich Tränen geflossen", erzählt der Busfahrer von Gerührtheit und Romantik seiner "Trauungen".

"Einfach super", empfanden Christine und Walter Nimführ aus Verden die Veranstaltung. Erst seit fünf Jahren ist das Ehepaar seit dem eigenen Ruhestand in der "Schwarzpulver-Union" des Schützenvereins in Verden und fühlt sich bei Trappern und Cowboys wie in einer anderen Welt. Die erlebt auch August Baro als Gegensatz zur heutigen Konsumwut ganz intensiv am Lagerfeuer ohne Fernseher und Handy. "Vieles brauche ich gar nicht", hat er inzwischen festgestellt.

Im Wilden Westen in Stelle gab es neben Bogenschießen und Axtwerfen, Square-Dance und Country-Music, Bohnen und Speck auch ein stil-echtes Gefängnis. In das geriet ausgerechnet Leon. Dem Zwölfjährigen wurden sogar kurzfristig Fußfesseln angelegt, denn er weigerte sich, vom Marshall "Siggi" Schokolade anzunehmen.

Spaß gemacht hat die Veranstaltung trotz wenig freundlicher Wetterlage allen Beteiligten. Nur ein dickes schwarzes Huhn legte vehementen Protest ein. Vielleicht aufgrund des einzigartigen Stilbruches durch eine Hüpfburg am Rande des Indianerdorfes und der Westernstadt. ?