«Wir weinen und wir lachen mit ihr»

Ambulanter Kinderhospizdienst betreut Familien mit schwerstkranken Kindern
 
von Heidi Pohle, 31.03.08, 18:02h, aktualisiert 31.03.08, 21:20h

Quelle: mz-web
 

Liane Geipel, Irmhild Günther, Geschäftsführerin Kathrin Dietl und Irmgard Falk (von links) stehen an einem Bäumchen, das die ehrenamtlichen Helfer selbst angefertigt haben. In den Glaskugeln hängen ihre Wünsche für die Arbeit am Kinderhospiz. In einiger Zeit wollen sie nachschauen, was daraus geworden ist. (MZ-Foto: Thomas Meinicke)

 

 

Halle/MZ. Das Baby, gerade mal ein halbes Jahr alt, leidet an einem Tumor, die Aussicht auf Heilung ist gering. Das ist für die junge Mutter eine ungeheure psychische und physische Belastung. Sie hat deshalb das Angebot des ambulanten Kinderhospizdienstes Halle gern angenommen, sie in dieser schweren Lebensphase zu unterstützen.

Einmal in der Woche geht Liane Geipel zu der Familie. Sie ist eine von 15 ehrenamtlichen Helferinnen. Mit ihr kann die junge Frau über all ihren Kummer, ihre Ängste und die Bewältigung des Alltags sprechen. Und Liane Geipel, von Beruf Kinderkrankenschwester, kümmert sich um das zwei Jahre alte Geschwisterkind, spielt mit ihm, geht spazieren. Auch das entlastet die Mutter und gibt dem gesunden Kind Halt in dieser für die ganze Familie schwierigen Situation.

So oder ähnlich sieht die Hilfe aus, die der Kinderhospizdienst Familien, in denen Kinder an unheilbaren lebensverkürzenden Krankheiten oder Behinderungen leiden, anbietet. Die gemeinnützige GmbH hat am 1. April 2007 mit der Arbeit begonnen und befindet sich noch im Aufbau, wie die Geschäftsführerin des Hospizes für Erwachsene, Kathrin Dietl, sagt, an das der Kinderhospizdienst, als einziger in Sachsen-Anhalt, angebunden ist.

Derzeit werden zwei Familien im häuslichen Umfeld betreut. Irmgard Falk und Irmhild Günther kümmern sich um eine alleinstehende junge Frau aus Vietnam, deren Tochter schwerstbehindert ist. Die beiden Ehrenamtlichen sind einmal wöchentlich bei ihr, mal eine Stunde, mal drei, je nach Bedarf. "Wir weinen und lachen mit ihr, erzählen, trösten oder hören nur zu", schildert Irmgard Falk, die mit 77 Jahren die älteste der Helferschar ist.

Die einstige Lehrerin übt zudem mit der Vietnamesin lesen und schreiben. Das bringe die leidgeprüfte Mutter wenigstens zeitweise auf andere Gedanken. "Wir sprechen mittlerweile schon von ,unserem Kind'" beschreibt Irmhild Günther die herzliche Beziehung, die sich in kurzer Zeit entwickelt habe. Und die junge Frau nennt die Helferinnen "ihre Omas".

Natürlich sei diese Betreuung belastend. "Das fremde Leid berührt einen ja", so Irmhild Günther. Doch das müsse man verkraften. Deshalb sei es wichtig, selbst ein intaktes Umfeld zu haben sowie eine fröhliche Natur. "Sonst kann man diese Hilfe über Jahre hinweg nicht leisten." Die Ehrenamtlichen - im Moment alles Frauen, die jüngste ist 25 Jahre alt - haben zudem die Gelegenheit, sich in der Gruppe Kraft zu holen. Und sie sind gut ausgebildet worden. 80 Stunden umfasste der erste Kurs, der interessant, aber anstrengend gewesen sei, wie Irmgard Falk sagt.

Nun hat schon der zweite Lehrgang begonnen. "Wir suchen noch Helfer", so Kathrin Dietl. Denn eine Begleitung beginne nicht erst am Lebensende eines Kindes. Sie könne Monate, auch Jahre dauern. Zudem ende die Betreuung oft nicht mit dem Tod, sondern schließe Trauerarbeit mit ein. Sie wünscht sich, dass noch mehr betroffene Familien das Angebot nutzen. Wer Interesse an ehrenamtlicher Arbeit hat, kann sich am Mittwoch, 9. April, um 18 Uhr im Stadthaus am Markt informieren. Dort hält anlässlich des einjährigen Bestehens des ambulanten Dienstes eine Pionierin der Kinderhospiz-Bewegung, Ute Nerge aus Hamburg, einen Vortrag zum Thema.

Mehr Informationen gibt es unter 0345 / 225 4521.