Ehrenamtliche zu Besuch bei todkranken Kindern

Quelle: Frankfurter Neue Presse, 05.03.2009

Bremen/Syke - Für Sabine Haasis sind die Engelbrechts wie eine zweite Familie. «Das ist meine Hospizfamilie», sagt die 49- Jährige und fasst die Hände des kleinen Thore, der auf einem Trampolin hüpft.

Der Achtjährige leidet an der unheilbaren Stoffwechsel-Krankheit Mukopolysaccharidose. Er kann nicht sprechen, schlecht laufen und ist hyperaktiv. Seit mehr als einem Jahr besucht Haasis den Jungen einmal pro Woche ehrenamtlich für den «Ambulanten Kinderhospizdienst Löwenherz Bremen und Umzu» daheim. 26 Frauen und zwei Männer geben jede Woche ein paar Stunden ihrer Freizeit, um todkranke Kinder und ihre Familien zu Hause zu besuchen. Seit Frühjahr 2007 gibt es dieses über Spenden finanzierte Angebot des Vereins Kinderhospiz Löwenherz im niedersächsischen Syke.
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Mit den erkrankten Kindern und ihren Geschwistern spielen, ein offenes Ohr für die Sorgen der Eltern haben - das sind die Aufgaben der Ehrenamtlichen. Die Kinder pflegen oder im Haushalt helfen - das sollen die Freiwilligen ausdrücklich nicht. Ein halbes Jahr werden sie bei einer Schulung auf ihre Arbeit vorbereitet. Sie lernen mit Krisensituationen und dem Thema Tod umzugehen, erfahren viel über Krankheiten. Am Ende des Kurses entscheidet Koordinatorin Susanne Claus dann, welche Familie zu welchem Teilnehmer passen könnte. «Die Chemie muss stimmen», sagt die 42 Jahre alte Sozialpädagogin.

Die Helfer kommen aus den unterschiedlichsten Berufen. Haasis war früher Kindergärtnerin. «Als ich mit der Arbeit aufhörte, habe ich schnell festgestellt, dass mir Kinder sehr fehlen», sagt die 49-Jährige, deren eigene Söhne inzwischen erwachsen sind. Die Idee einer ehrenamtlichen Hospizhelferin sah Thores Mutter, Katrin Engelbrecht, anfangs mit großer Skepsis: «Es war schwierig, eine Fremde in unsere Privatsphäre zu lassen», sagt die 35 Jahre alte Bremerin.

Doch das Eis zwischen Haasis und Thores Eltern schmolz schnell. «Es ist eine Freundschaft geworden», sagt Engelbrecht. Es tut dem Ehepaar gut, mit der Besucherin über ihre Probleme sprechen zu können. Auch ihre kleine Tochter Freya freut sich jede Woche auf den etwa zweistündigen Besuch von Haasis, die sich immer neue Spiele für die Fünfjährige und ihren kranken Bruder ausdenkt. «Ich finde diese Aufgabe wunderbar, auch wenn sie nicht immer leicht ist», sagt Haasis. Es macht sie oft traurig zu sehen, dass es Thore nicht gut geht oder er plötzlich zu weinen anfängt.

Es hat eine Weile gedauert, bis die Ehrenamtliche Zugang zu dem behinderten Jungen gefunden hat. Denn es ist für Außenstehende nicht leicht zu merken, was in dem Jungen vorgeht. «Die Kommunikation mit ihm muss man lernen», sagt Haasis. Geholfen hat ihr dabei die Musik. «Thore hat sehr viel Rhythmusgefühl», berichtet sie und beginnt für den Jungen das «Eskimo-Lied» zu singen. Wieder umklammert Thore fest ihre Hände und hüpft zu der Melodie auf dem Trampolin.