Kochkurs auf der Straße

Quelle: Osnabrücker Zeitung 08.06.2009

tw Osnabrück.

„Sylt ist nicht die Heimstadt von Leysieffer. Die Himmlischen kommen aus Osnabrück“, sagte Christian Wulff am Samstag bei der 100-Jahr-Feier der Chocolaterie. Neben dem Ministerpräsidenten Niedersachsens waren viele Prominente aus der Osnabrücker Wirtschaft und Politik sowie Fernsehkoch Rainer Sass in die Krahnstraße gekommen.

Die Himmlischen, die berühmten Pralinen aus der Leysieffer-Konditorei, haben ihren Ursprung nicht in Berlin oder Sylt, wo Leysieffer Niederlassungen unterhält. Das, so meinte Christian Wulff, sei ein Irrglaube vieler Menschen in den Metropolen Deutschlands und Europas.

„Was macht das Bild von Städten aus? Womit identifizieren sich die Menschen“, fragte Oberbürgermeister Boris Pistorius in seiner Rede und gab selbst die Antwort: „Es sind gerade die Unternehmer und Handwerksbetriebe.“ Leysieffer habe Osnabrück in ganz Europa bekannt gemacht, so Pistorius. „Die Himmlischen kommen aus Osnabrück“, stellte Pistorius klar und schlussfolgerte daraus: „Die Osnabrücker fühlen sich wie im Himmel.“ Das glaubten auch viele Leckermäuler, nachdem sie von der Geburtstagstorte gekostet hatten.

Viele Schaulustige kamen zur Jubilarfeier von Leysieffer, dem Höhepunkt des Straßenfestes, das die Werbegemeinschaft Krahnstraße und OMT als Geburtstagsgeschenk organisiert hatten. Viele Osnabrücker waren auch gekommen, um Fernsehkoch Rainer Sass in Aktion zu sehen. „Auch wenn Axel kocht, komme ich gerne nach Osnabrück“, scherzte er. Mit Axel Leysieffer, dem Seniorchef, verbindet Sass eine langjährige Freundschaft, die durch den Magen geht. „Du kannst nach Sylt oder zum Tegernsee fahren und jeden fragen: Alle schwärmen von den Lebkuchen und dem Weihnachtsgebäck von Leysieffer. Er ist der größte Confisier in Europa.“

Das Gebäck hat nicht nur die Gaumen von Prominenten verwöhnt. Auch ein Alt-Kanzler ließ sich die leckeren Törtchen von Leysieffer schmecken. Christian Wulff verriet am Rande der Feier, dass er Helmut Kohl mal in seinem Haus in Osnabrück mit Kuchen aus dem Hause Leysieffer beglückt habe. Kohl soll begeistert gewesen sein. Nur Angela Merkel konnte Wulff noch nicht überzeugen. „Sie mag eher Herzhaftes“, sagte Wulff.

Vielleicht hätten die „Penne Cento“ den Geschmack der Bundeskanzlerin getroffen. „100 Nudeln“, so die Übersetzung, nannte Axel Leysieffer das Gericht, das er für die vielen hungrigen Mäuler gekocht hat. Es war eine Premiere für ihn. Zum ersten Mal hat er Salatblätter angebraten. Dazu gesellten sich Paprika, Champignons und Zwiebeln, die mit gekörntem Senf und Crème fraîche angereichert wurden. Die Zutaten hat Leysieffer am Samstagmorgen auf dem Markt gekauft. Für eine Portion mussten die Osnabrücker eine Spende für das Kinderhospiz Löwenherz abgeben. Leysieffer wollte mit seiner Kreation auch zeigen, dass man kostengünstig und gesund kochen kann und Fertiggerichte nicht dauerhaft den Speiseplan beherrschen müssen.

Die vielen Lobeshymnen und den Trubel nahm Axel Leysieffer übrigens gelassen hin: „Ich muss ja noch kochen“, lautete sein lapidarer Kommentar.