„Löwenherz“ baut Jugendhospiz

Quelle: Kreiszeitung, 16.01.2010

Erste Pläne gestern öffentlich vorgestellt / „Lust auf Menschlichkeit“ prägte Neujahrsempfang

Syke - (sdl) · Noch ist das Schulungs- und Begegnungszentrum an der Syker Plackenstraße nicht fertiggestellt, da präsentiert „Löwenherz“ schon neue Baupläne: Im Herbst soll an der Straße Siebenhäuser der erste Spatenstich für das neue Jugendhospiz gesetzt werden. Acht Plätze für schwerstkranke Jugendliche sollen darin entstehen.

„Wir erleben, dass die Angebote, die Jugendliche brauchen, im Kinderhospiz nicht bedarfsgerecht umgesetzt werden können“, erklärte Kinderhospiz-Leiterin Gaby Letzing gestern während des Neujahrsempfangs im Kinderhospiz. Der litt ein wenig unter dem Winterwetter, denn von den 300 geladenen Gästen waren nur rund 60 gekommen. Sie erfuhren gestern aber aus erster Hand, dass das Kinderhospiz seine Belegung erneut gesteigert hat – und zwar auf 85,5 %. 125 schwerstkranke Kinder waren im vergangenen Jahr mit ihren Familien in Syke zu Gast. „Das ist eine Steigerung von fast fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr“, sagte Gaby Letzing. Sie betonte, dass die Pflege sehr personalintensiv sei, denn die Kinder und ihre Familien bräuchten vor allem Zeit. „Glücklicherweise konnten wir durch die Unterstützung großzügiger Freunde und Spender zusätzliches Personal einstellen“, sagte Gaby Letzing. Eine lange Warteliste belegt, wie stark der Aufenthalt, das Luftschöpfen, im Kinderhospiz nachgefragt ist. Dass dort ein Zweijähriger neben einem 18-Jährigen mit völlig anderen Bedürfnissen betreut wird, das soll das Jugendhospiz ändern. Erste Pläne und Ideen gibt es bereits, endgültig abgeschlossen sind sie noch nicht. „Wir sind zurzeit in der Diskussion“, sagte Gaby Letzing – und bekannte: „Ich bin manchmal sprachlos, welche Wachstumsdynamik ,Löwenherz‘ hat. Und das ist nur möglich, weil wir so viele verlässliche Freunde und Unterstützer haben.“ Der Verein und die Stiftung „Löwenherz“ hätten eine gute Spenden- und Stiftungsbilanz – trotz der Finanzkrise.

„Den wahren Reichtum einer Gesellschaft finden wir nicht auf Banken, sondern dort, wo Menschen sich öffnen für andere“, stellte wenige Minuten später der Schriftsteller Rainer Haak fest – in einem ganz anderen Zusammenhang. Der ehemalige Pastor spürte ebenso leise wie eindringlich der „Lust auf Menschlichkeit“ nach. Wellness und Kreuzfahrt – ist das wirklich alles? „Es muss noch mehr geben“, diese Entdeckung, so Haak, machen immer mehr Menschen. Wie die Gattin eines Botschafters, die zwei Wochen in einer Obdachlosenunterkunft in Berlin arbeitete und feststellte: „Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich etwas Sinnvolles gemacht.“ Andere – wie der Sänger Reinhard Mey – engagieren sich für Menschen, um ihrer eigenen Dankbarkeit Ausdruck zu geben. Aber eines, so Rainer Haak, gelte immer: „Wir können uns für unsere Mitmenschen nur engagieren, wenn es auf Augenhöhe geschieht. Alles andere ist unmenschlich.“ Wer sich für andere engagiere, müsse nicht nur Geben, sondern auch Nehmen können: „Wir brauchen eine Balance zwischen Geben und Nehmen.“ Und: „Jeder Mensch kann uns etwas zurückgeben“, lautete die unumstößliche Überzeugung des Schriftstellers. Das unterstrich er mit dem Liedtext „Ein Engel wie Du“, das schildert, welches Glücksgefühl selbstloser Einsatz auslösen kann.