Stimmen auf den Leib geschrieben

Quelle: Kreiszeitung, 01. September 2010

Bremer Wind Orchestra begeisterte mit unkonventioneller Besetzung und präziser Intonation

SCHEESSEL (uhe) · Das zum größten Teil aus gut ausgebildeten Hobbymusikern bestehende Wind Orchestra Bremen freute sich, nach zwei Jahren wieder in Scheeßel gastieren zu dürfen: „Wir geben etwa fünf bis sechs Konzerte pro Jahr, das dürfte gern etwas mehr sein“, erklärte Dirigent Wilhelm Hannak.

Umso mehr, als die reine Saxophonisten- und Klarinettistenformation ausschließlich Benefizkonzerte spielt, und zwar für das den Musikern am Herzen liegende Syker Kinderhospiz Löwenherz. „Trotzdem wird es immer schwerer, gastgebende Gemeinden zu finden.“ Da machte man für die Scheeßeler auch mal eine Ausnahme und spielte zugunsten der Stiftung der St. Lucas-Kirche. Diese dehnt die geförderten Projekte gerade mit der Einrichtung eines „Raums der Stille“ in der Grundschule auf das weitere Umfeld der Kirche aus.

Im ersten Teil gab es vorwiegend klassische Stücke zu hören. Diese arrangiert der langjährige Dozent der Bremer Universität und Klarinettist der Klassischen Philharmonie Bremen Hannak selbst: „Das entstand aus der Not heraus, da es keine fertigen Arrangements für diese Besetzung gab.“ So erklärt sich auch der außergewöhnlich perfekte Klang: „Ich habe den Spielern ihre Stimmen je nach Könnensstand auf den Leib geschrieben, schließlich sollen sie sich auf die Klangfarben konzentrieren“, verrät er schmunzelnd. Dass dies gelang, wurde gleich beim ersten Stück, dem altenglischen Choral „Once in Royal David City“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die verschiedenen, nach und nach einsetzenden und perfekt intonierten Stimmen ergaben einen erstaunlichen Klangreichtum, bei dem der den Holzbläsern eigene warme Ton so richtig zur Geltung kam. Während der erste Teil von vorwiegend klassischen Stücken und unterschiedlichen Solisten geprägt war (herausragend: der junge Altsaxofonist und zukünftige Musikstudent Lukas Kasten im Concertina von Waignein), ging es im zweiten Teil deutlich bes(ch)wingter zu, mit bekannten Stücken wie Glenn Millers „Moonlight Serenade“, „New York, New York“, „Autumn Leaves“ und zwei Eigenkompositionen des Dirigenten.

Dessen Körpereinsatz gerade bei den Swingnummern zeigte: Da war Herzblut im Spiel, und nur das rhythmusgebende Keyboard hätte gern etwas dezenter sein dürfen. Mit einem für die Kirche eher ungewöhnlichen Charlston-Medley, getoppt vom Chattanooga Choo Choo als Zugabe, wurden die etwa 60 Zuschauer mit bester Laune entlassen.