Lebensfrohe Künstlerin versteigert „allerbeste Freunde“

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung, 19. September 2010

Erika Rußwinkel-Schulz lädt in die Alte Posthalterei ein – zum Schnuppern und Malen 

Melle. Schon der Titel der am Donnerstag feierlich eröffneten Ausstellung weckt Neugier und regt die Fantasie an: „Das kleine fantastische Haus“. Jeder, der diese kurze Beschreibung hört, wird sich darunter wohl etwas anderes vorstellen – auf jeden Fall aber etwas Schönes und Besonderes.

Das kleine braune Haus, das der Ausstellung von Erika Rußwinkel-Schulz den Titel verleiht, liegt neben einem Fluss, umgeben von Bäumen, Wiesen und weiter grüner Landschaft. Das fließende Wasser und der gewaltig große Horizont schenken dem Auge und der Fantasie des Betrachters unendliche Freiheit.

„Fantastisch“, in diesem Wort spiegeln sich auch Lebensfreude und Begeisterung wider. Wir benutzen es beispielsweise, wenn wir eine freudige Überraschung erleben.

Das Leben der 59-jährigen Diplom-Grafikdesignerin und Kunstpädagogin aus Belm scheint voller Überraschungen zu sein, eine davon war für sie die Alte Posthalterei: „Ich freue mich über die Ausstrahlung dieses Gebäudes, es ist so ein charmanter Ausstellungsort“, findet sie.

Die Künstlerin begibt sich mit Vorliebe auf Entdeckungsreise. Sie hat einen feinen Blick für Details, interessiert sich für die Gewohnheiten und Vorlieben der Menschen um sie herum, die sie inspirieren. In breiter Vielfalt drückt sich ihre Flut von Eindrücken und Ideen in informellen Acrylbildern und naturalistischen Aquarellen aus, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit allesamt Lebensfreude widerspiegeln: „Ich liebe warme Farbtöne, in ihnen drückt sich meine positive Lebenserfahrung aus, die ich gerne weitergebe“, erzählte Rußwinkel-Schulz, die die Betrachter ihrer Werke gleichzeitig anregen und erfreuen möchte.

Im vergangenen Jahr hat sie übrigens im Johannes-Wesling-Klinikum in Minden ausgestellt, um den Patienten mit ihren Bildern ein kleines Stück Mut und Zuversicht zu schenken.

In den unteren Räumen der Posthalterei hängen die gegenständlichen Bilder, ein besonderes Faible hat die lebensbejahende Frau offensichtlich für Türen, die ihrer Ansicht nach „eine ganze Menge verraten“, aber gleichzeitig geheimnisvoll seien und neugierig machten.

„Oben hängen dann eher so die Klecksereien“, sagte sie augenzwinkernd, ihre eher abstrakten Werke meinend.

Musikalisch untermalt wurde die gut besuchte Vernissage durch Frauke Rußwinkel, die Tochter der Künstlerin, die in Osnabrück Musik und Deutsch auf Lehramt studiert. Ihr Saxofon schraubte die 22-Jährige auf dem Treppenabsatz zusammen, bevor sie die Sekt und Orangensaft genießenden und angeregt plaudernden Gäste mit beschwingten Jazz-Melodien verwöhnte. Auf die Frage, ob sie ein „Lieblingsbild“ aus der reichen Galerie ihrer Mutter habe, antwortete sie spontan mit „Ja“ und steuerte sogleich zielsicher auf „Dinas Haustür“ zu, das Saxofon noch im Arm.

Am Sonntag, dem 3. Oktober (15 bis 18 Uhr), wird Rußwinkel-Schulz ihre Techniken in den Räumen der Alten Posthalterei, Haferstraße 17, vorstellen und erläutern. Wer an diesem Tage „schnuppern“ und vielleicht selbst etwas malen möchte, ist herzlich eingeladen.

Am letzten Ausstellungstag, dem 10. Oktober, wird die Künstlerin gegen 16 Uhr ihr Aquarell „Meine allerbesten Freunde“ versteigern. Der Erlös kommt dem Kinderhospiz Löwenherz in Syke zugute.

Geöffnet ist die „Fantastische Posthalterei“ immer von mittwochs bis samstags (15 bis 18 Uhr) und sonntags (11.15 bis 18 Uhr).