Ministerin tröstet kranke Kinder

Quelle: Nord-West-Zeitung, 15. Oktober 2010

Sozialpolitik Aygül Özkan will nicht immer zu Integration befragt werden

Im Kinderhospiz Löwenherz in Syke geht es um Gesundheit und Pflege. Özkan gibt sich souverän und diplomatisch.

von Marco Seng

Syke. „Darf ich dir Hallo sagen.“ Aygül Özkan beugt sich zu der elfjährigen Lena hinunter, die sie mit großen Augen anschaut. Lena sitzt im Rollstuhl, die Ministerin berührt das Mädchen leicht. Dann ist es für einige Sekunden ganz still im Raum. Sozialministerin Aygül Özkan befindet sich im Kinderhospiz Löwenherz in Syke. Hier werden schwerstkranke Kinder zusammen mit ihren Familien für einige Wochen aufgenommen. Viele von ihnen sterben im Hospiz.

Lena aus Leer ist schon zum sechsten Mal im Löwenherz. Sie leidet seit dem sechsten Lebensjahr an einer schweren Form von Epilepsie. Die Ärzte sind ratlos. Lenas Vater will mit Özkan unter vier Augen sprechen.

Die CDU-Politikerin reist einen Tag quer durch Niedersachsen. In Burgwedel besucht sie ein Pflegeheim, in Sulingen eine Behindertenwerkstatt und einen integrativen Kindergarten, in Syke das Hospiz. Hier weicht ihr Lächeln kurzzeitig einem ernsten Gesichtsausdruck. Von einem „bedrückenden Gefühl“, spricht Özkan im Angesicht der sterbenden Kinder. „Es ist aber wichtig, sich mit dem Tod zu beschäftigen“, sagt die Ministerin nach der Besichtigung des „Abschiedszimmers“. Hier können die Kinder bist zur Bestattung aufgebahrt werden. Özkan kündigt an, dass das Land ein zusätzliches Hospiz für Jugendliche finanzieren will. Die Gespräche laufen schon.

Die Schwerpunkte der Reise sind ganz bewusst gewählt. Um das heikle Thema Integration oder die türkische Herkunft Özkans soll es an diesem Tag nicht gehen. Alle Bereiche eines Ministeriums müssten beachtet werden, erläutert die Ministerin. Und: „Wichtig ist, dass ich die Mitarbeiter kennenlerne. Das kann man nicht, wenn man einen Vermerk im Ministerium liest.“ Die Journalisten fragen trotzdem immer wieder nach Sarrazin und Seehofer. Özkan antwortet zumeist souverän und diplomatisch, weicht jedem möglichen Fettnapf aus. Sie spricht von einer „positiven Dynamik“, die durch die Debatte um die Integration ausgelöst wurde.

In den Delme-Werkstätten in Sulingen macht Özkan deutlich, dass das Land auch bei den Behinderten sparen muss. „Für ein soziales Niedersachsen müssen wir die Balance finden zwischen Verpflichtungen und Haushalt“, sagt sie. Dafür gibt es keinen Beifall. Zum Ausgleich bekommt die Ministerin im Kindergarten eine Tüte mit Süßigkeiten geschenkt. Der kleine Finjas hat Geburtstag.