Kraft tanken fürs Leben

Quelle: Rotenburger Rundschau, 17. Dezember 2010

Westerholzer Familie bedankt sich beim Kinderhospiz

Westerholz.   (ari). Knapp zehn Operationen werden es wohl schon gewesen sein. Maren Metze hat nicht mitgezählt. Krankenhausaufenthalte gehören zum Leben ihres Sohnes, seit er vor fünf Jahren das Licht der Welt erblickte. Niklas leidet am Wolf-Hirschhorn-Syndrom, einem seltenen Chromosomenfehler.

Nach den ursprünglichen Prognosen der Ärzte dürfte der Zwerg gar nicht mehr am Leben sein. In einer solchen Situation zählt man nicht buchhalterisch die operativen Eingriffe. Da lebt man die Zeit, die einem geschenkt wird. Was natürlich nicht immer einfach ist. Unterstützung erhält die Familie vom Kinderhospiz Löwenherz in Syke.

Großvater Heinfried Dittmer und sein Sohn Thorben, Onkel des kleinen Niklas, sind dankbar und unterstützen die Arbeit der segensreichen Einrichtung mit einer 500-Euro-Spende ihrer Firma, des Lohnunternehmens Dittmer in Westerholz. "Statt kleiner Weihnachtgeschenke für unsere Kunden“, erklärt Dittmer senior.

Spenden seien immer willkommen, sagt Ilse-Marie Voss, die das Geld stellvertretend für den Trägerverein entgegennahm. Das ist natürlich so ein Satz, der jedem Vereinsvertreter leicht über die Lippen kommt. Doch das Kinderhospiz ist tatsächlich im ganz besonderen Maße von Spenden abhängig. "Die Krankenkassen übernehmen die Hälfte der Kosten für maximal 28 Aufenthaltstage im Jahr“, rechnet Voss vor. Der Fehlbetrag werde vom Verein zugeschossen.

Kinderhospize unterscheiden sich von gewöhnlichen Hospizen vor allem dadurch, dass sie keine Einrichtungen primär für Menschen sind, die unmittelbar vor dem Tod stehen. Die jungen Gäste kommen und gehen auch wieder. Sie leiden an schweren, lebensbedrohenden Krankheiten – doch ihr Aufenthalt dient nicht dem Abschiednehmen, sondern dem Krafttanken. "Inzwischen wachsen manche schon aus dem Kinderalter heraus“, erklärt Voss, die das 2003 gegründete Hospiz ehrenamtlich unterstützt. "Der Trägerverein plant deswegen bereits die Einrichtung eines Jugendhospizes, das 2012 eingeweiht werden soll“.

Die Einrichtung in Syke bietet acht Plätze an und ist gut ausgelastet. Untergebracht werden die Kinder und ihre engsten Familienangehörigen. Auf diese Weise sind die Eltern einerseits immer in der Nähe und können andererseits einmal Luft holen und sich fallen lassen. Ihre Sprößlinge wisssen sie in guten, fachlich qualifizierten Händen und all die Verpflichtungen des Alltags bleiben einmal außen vor.

Anfangs sei da eine gewisse Schwellenangst gewesen, sagt Metze. Inzwischen ist sie heilfroh, diese 2008 überwunden zu haben. "Der Austausch mit anderen betroffenen Eltern ist sehr wertvoll, da nehme ich immer ganz viel mit“, erzählt die 33-jährige Westerholzerin. 2011 plant sie für Niklas drei Aufenthalte, insgesamt 24 Tage, in Syke ein. Inzwischen ist das Vertauen zum Kinderhospiz so groß, dass sie ihren Sohn sogar mal alleine dort zurücklassen wird. Geplant ist ein kleiner Mallorca-Urlaub mit Mann Frank und ihrem zweiten Sohn Marvin. "Unser Dreijähriger genießt es natürlich, auch einmal im Mittelpunkt zu stehen und Mama und Papa allein für sich zu haben.“

Das Verhältnis von Hospizkindern zu ihren Geschwistern ist übrigens auch das Thema des aktuellen Kalenders der Einrichtung, den Voss der Familie des kleinen Niklas als Dankeschön für die Spende überreichte. Gezeigt werden zwölf Kindermotive. Erhältlich ist der Kalender in der Scheeßeler Buchhandlung Wandel sowie übers Internet (www.kinderhospiz-loewenherz.de).