Rollmops und Kuchen waren 1948 aus Dorfmark

Quelle: Walsroder Zeitung, 22. März 2010

Abriss-Party im Hotel "Hofmeister am See"

Zumindest an diesem einem Tag ist das Hotel „Hofmeister am See“ in Dorfmark mal so richtig brechend voll. Die Gäste: Mauerspechte, Schrauber, Sammler, Schnäppchenjäger, Schaulustige, Hobby-Historiker, Nachbarn und Tagesausflügler. Drei, zwei, eins – meins! Alles umsonst lautet die Devise bei der „Abriss-Party“, zu der Steffi Lüters eingeladen hatte. Die Dorfmarkerin verwaltet das Gebäudeensemble für ihre in Mexiko lebende Cousine Gisela Rubach, die das seit 2006 geschlossene Hotel ersteigert hat. Weil auf dem gut 3000 Quadratmeter großen Grundstück Wohnungen gebaut werden sollen, müssen die Gebäude weichen.

[Dorfmark.] Gar nicht so einfach, mit einer Matratze durch die dichte Menschenmenge nach draußen zu gelangen. „Kann ich mal...?“, bittet die Trägerin der Schlafunterlage und bleibt mal wieder stecken. Ohnehin kann niemand sie hören, weil ein Schlagbohrer losdröhnt.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, wissen die Sammler und Jäger. Und so rollen schon Stunden vor dem Startschuss am Sonnabendvormittag Gespanne, Kombis und Transporter durch die kleine Ortschaft auf der Suche nach dem strategisch wertvollen Parkplatz. Fast wie zur Blütezeit vom Winterschlussverkauf in einem großstädtischen Kaufhaus versammelt sich die Meute an den abgezäunten Zuwegungen. Die ersten rütteln am Drahtgeflecht: „Aufmachen!“

Als um 9 Uhr der Startschuss fällt, rennen ganz Eilige los. Bewaffnet mit Schraubenzieher, Akkubohrer und Hammer geht's Lampen, Möbeln, Fliesen, Heizkörpern und Türklinken an den Kragen. „Wo issen hier der Fasskühler?“, fragt ein stämmiger Mann, Tragegurt und Schraubenschlüssel im Anschlag. Ein Teller zerschellt auf dem Boden, krachend verlässt ein Fensterrahmen seine angestammte Position. Im Schein der Taschenlampe ruckelt ein Besucher einen Handtuchhalter los. Die 15 Helfer um Steffi Lüters behalten die Schlacht so weit es geht im Auge. „Haste das Schild?“, bölkt eine Frau neben Zimmer sechs quer durch den Flur.

Kehraus: Viele haben sich schnell aus dem Staub gemacht, einige auch an eine Spende für das Kinderhospiz Löwenherz gedacht: Gut 3000 Euro kamen für den guten Zweck zusammen. Am Nachmittag rückt der Abrissbagger an, erstmal symbolisch. Heute beginnt das tatsächliche Abtragen der Nebengebäude.