Verein «Löwenherz» will erstes Jugendhospiz in Niedersachsen bauen

Quelle: Weser Kurier, 21. 05. 2010

Von Malte Bürger

Syke.Es ist ein in Niedersachsen und Bremen bislang einmaliges Projekt, dass in nicht allzu ferner Zukunft in Syke entstehen soll. Der Verein Kinderhospiz Löwenherz hat auf seinem Grundstück an der Straße Siebenhäuser eine Neuerung anvisiert - so ist die Errichtung eines Jugendhospizes geplant. 'Viele unserer Patienten sind schon jetzt Jugendliche. Angesichts unserer Warteliste ist eine Erweiterung dringend nötig', erklärt Gaby Letzing, Leiterin des Kinderhospizes. Einziges Problem sei bisher die noch ausbleibende Zustimmung zum Förderantrag beim Niedersächsischen Sozialministerium.

Acht Plätze soll der Neubau bieten und neben den Jugendlichen auch für junge Erwachsene zur Verfügung stehen. Ein Schritt, der für die Hospizleiterin nur eine logische Konsequenz ist. 'Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen brauchen auch eine andere Ansprache und andere Angebote als Kinder', erläutert Gaby Letzing.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Rüdiger Barth gemacht. Der Leiter von Deutschlands erstem Jugendhospiz überhaupt, der Einrichtung Balthasar im nordrhein-westfälischen Olpe, hat daher mit seinen Mitarbeitern von Beginn an darauf geachtet, auch die räumlichen Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen zu erfüllen und dem Alter entsprechend anzupassen. 'Das Konzept ist insgesamt aufgegangen, das ist auch den Rückmeldungen der Jugendlichen zu entnehmen', bilanziert Barth die seit dem Januar 2009 erweiterte Hospizarbeit. Bereits im ersten Jahr nach der Eröffnung seien die Erwartungen durch eine Auslastung von über 60 Prozent weit übertroffen worden.

Eine ganz neue Herausforderung

Einen guten Ratschlag für die Kollegen aus Syke hat Rüdiger Barth aber auch noch parat: 'Man denkt, dass durch die Kinderhospizarbeit bereits eine gewisse Routine vorhanden ist, aber das ist nur zum Teil so. Es ist eigentlich eine ganz neue Herausforderung', betont er. 'Wir sind im Prinzip jeden Tag dabei, etwas Neues von den Jugendlichen zu lernen.' Vom Erfolg des Projektes in der Hachestadt ist er dennoch überzeugt. 'Wir arbeiten sehr eng mit den Kollegen von Löwenherz zusammen, dort wird sehr gute Arbeit geleistet', lobt Rüdiger Barth.

Eine der wenigen offenen Fragen ist derzeit noch die der öffentlichen Förderung. Einen entsprechenden Antrag hat der Verein bereits beim Niedersächsischen Sozialministerium in Hannover eingereicht. Eine Entscheidung steht allerdings noch aus, weshalb weitere Planungen seitens der Hospizverwaltung vorerst gestoppt wurden. Insgesamt umfasst das Modellprojekt ein finanzielles Volumen von rund 4,5 Millionen Euro, der erste Spatenstich ist für den kommenden Herbst anvisiert.

Die knapp 1400 Mitglieder des Vereins Löwenherz stehen jedenfalls nahezu geschlossen hinter dem Vorhaben eines Anbaus, das zeigte sich jetzt während der jüngsten, gutbesuchten Vollversammlung. Bei dieser Gelegenheit legte Barbara Frerker aus dem erweiterten Vorstand auch sogleich aktuelle Zahlen zur Vereinsarbeit vor. Demnach wurden im vergangenen Jahr insgesamt 15 unheilbar erkrankte Kinder und ihre Familien betreut. 'Vor allem die ambulante Arbeit wird für uns immer wichtiger', schildert Frerker. 'Wir merken den großen Bedarf der Familien und den Wunsch der anderen Hospizvereine, mit uns zusammenzuarbeiten.'

Das sich im Bau befindliche neue Schulungs- und Vereinsgebäude, der sogenannte Treffpunkt Löwenherz, wird nach derzeitigem Stand Ende Juni fertig gestellt. Dort sollen dann zukünftig Seminare und Fortbildungen veranstaltet werden, zudem erhalten die Mitarbeiter Büros. Darüber hinaus ist ein kleines Geschäft vorgesehen, in dem gespendete Bücher oder Spielwaren verkauft werden können.

Bei den Vorstandswahlen während der Versammlung gab es unterdessen keine Überraschungen. Nach dreijähriger Amtszeit wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt. An der Spitze steht weiterhin Gaby Letzing (Vorsitzende), ihr folgen Dorothea Bobzin, Elke Grupe, Tina Oelker, Dirk Lundström und Barbara Frerker.